Exkurse

Gebildbrote
Die Wortschöpfung geht auf E. L. Roch- holz zurück, dessen Buch: »Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel heidni¬scher Vorzeit« 1867 in Berlin erschien. Wir verstehen darunter Teigwaren (Brote, Gebäck…) in Menschen- oder Tierge¬stalt; aber auch Backformen, welche Symbole (Rad, Sonne…) darstellen. Sol¬che Gebildbrote sind mit den Bräuchen fast aller Feste und Zeiten im (Kirchen-) Jahr verbunden. Die Deutung dieser Ge¬bilde ist schwer, oft nicht möglich. Daher ist Zurückhaltung geboten. Einige Wur¬zeln solchen Brauchs aber können ge¬nannt werden.
a. Der (einfache) Mensch hat stets ge¬glaubt, durch das Verzehren der Gebild¬brote sich das Numen, das Wesen des
Dargestellten zu eigen zu machen. Daher die vielfachen Darstellungen von Frucht¬barkeitssymbolen: Eber (Schwein), Hahn, Hase, (auch Phallus und Vulva); aber auch des Sonnenrads u.a. Solche Symbole wurden entweder vom Menschen oder von den Tieren verzehrt, geopfert oder im zur Saat bereiteten Acker vergraben. Vor allem aber wurden die Götter darge¬stellt, um das Wesen, die Kraft, das Nu¬men des Gottes in sich aufzunehmen. Wir verstehen, daß es gerade hier (nicht zuletzt in der Volkstheologie) um die Existenz des christlichen Glaubens ging, in dem der Leib Christi als Brot gegessen wurde und wird. So ist schon aus dem 6. Jahrhundert ein Brief des Papstes Pelagius an den Bischof von Arles erhalten, in dem die Sitte aufs schärfste verurteilt wird, »ein aus Semmelmehl gebackenes Idol an das gläubige Volk zu verteilen« (wobei vor allem die Ohren, Augen, Glieder zum Ver¬zehr verteilt wurden). Im 13. Jahrhundert erklärt ein norwegisches Gesetz den als vogelfrei, der »Speiseopfer aus Teig in männlicher Gestalt« in seinem Haus ver¬wahrt. Und die Mönche, die in Mexiko Kulte miterlebten, bei denen mit Opferblut getränkte Brotstücke dem Volk ausgeteilt wurden, damit es eins würde mit dem Inkakönig und nichts sagte oder dächte gegen den Inka, glaubten an eine »teufli¬sche Nachahmung« der Eucharistie.
b. Gelegentlich sind (aus sehr verschiede¬nen Gründen) Menschen- und vor allem Tieropfer durch das Opfer von Gebildbro- ten ersetzt worden. Einen sicheren Beleg der Ablösung von Menschenopfern durch Teiggebilde finden wir bei Macrobius (um 365). In Athen war das Opfern von Teig¬tieren den Armen erlaubt. Auch die Py- thagoräer opferten Backwerke in Tierge¬stalt, da ihnen aus philosophisch-religiö¬sen Gründen das Töten von Tieren unter¬sagt war.
c. Gebildbrote spielten im Seelen-(Toten-) Kult eine Rolle, im Kult der Hausgeister (Laren) und dienten zur Abwehr der Dämo¬nen. Hierher gehören die Allerheiligen/Al- lerseelengebildbrote und jenes Backwerk, das Griechen und Römer an bestimmten Festtagen (aber auch im alltäglichen Le-ben) den Hausgeistern (Laren) darbrachten, um Glück für das »Haus« zu erbitten. Zur Abwehr der Dämonen dienten jene Brote, denen etwa die Sator-Formel auf¬gedruckt war. Solche Brote wurden im Haus ausgeiegt oder auch zum persönli¬chen Schutz verzehrt.
d. Viele Gebildbrote dienen der Vertiefung des Festsymbolik, machen sie dem Volk vertraut. So etwa das gebackene Lamm, das den Korb ziert, der zur Speisenweihe in der Osternacht getragen wird oder die Oster-symbole: Sonnenrad, Fisch, Eierbrote etc. Es sollte allerdings nicht verschwiegen werden, daß heute viele Gebildbrote (vor allem in der Spekulatiusherstellung und im Nikolausbrauch) rein dekorativen Cha¬rakter haben.

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