Exkurse 3

Vom Weihnachts- und Prangerschießen
Das Schießen (Böllern) zum Christfest und zum Fronleichnams-(Pranger-)Tag ist ein Brauch, der vor allem im süddeut¬schen Sprachgebiet beheimatet ist. In Deutschland ist er vor allem im Berch-tesgadener Land weit verbreitet und be¬liebt.
Geschossen wurde aus »schweren Böl¬lern«, gußeisernen Rohren, die auf Räder¬gestellen ruhten und aus Handböllem (Pistolen). (Zeitweise wurde auch aus nor¬malen Gewehren gefeuert.) Bis heute wird in die Böller eine abgewogene Men¬ge Pulvers geschüttet, dann der Lauf mit einem Holzkeil »verdammt«. Ein Zünd-hütchen sorgt für die Entzündung des Pulvers.
Es liegt nahe anzunehmen, der Brauch habe sich nach der Erfindung des Pulvers (näherhin nach der Erfindung des Stein¬feuerschlosses 1517 in Nürnberg) ent¬wickelt. Er ist aber erstmals 1666 ur¬kundlich belegt und dort als ein alter Volksbrauch vorausgesetzt. Seine Vor¬läufer waren wohl die Lärmumzüge mit Peitschenknallen u.a. vor allem in den Rauhnächten. So dürfte der Brauch weit in die Vorzeit unseres Volkes hineinrei¬chen.
Bis heute wird im Berchtesgadener Land zum Weihnachtsfest geschossen (gebol¬lert). Höhepunkt ist zweifellos das Böl¬lern zur Zeit des »Metteläutens«, also in der Christnacht von 23.30 – 24.00 Uhr (wobei auf dem Weg zum Schießen und zur Kirche oft schon geschossen wurde und wird: das »Zuawaschiaßn«), Je nach der Gepflogenheit der einzelnen Marktge¬meinden mit ihren »Weihnachtsschützen¬vereinen« wird schon eine Woche vor Weihnachten geschossen, auch am Nach¬mittag des Heiligen Abends und in der Neujahrsnacht.
Der Brauch des Weihnachtsschießens ist oft (vor allem in der Zeit der Aufklärung) verboten worden. Erlaubt war jedoch, (wenn auch gelegentlich mit Einschrän¬kungen) das Prangschießen, also das Böl¬lern zum Fronleichnamstag, vor allem zur Prozession. Die »Feuerschützen« beglei¬teten oft das Allerheiligste und schossen Salut während der Lesung der vier Evan¬gelien an den (Feld-)Altären. Während des Gottesdienstes am Fronleichnamstag wurde oft zum Gloria, zum Evangelium, zur Wandlung und zur Kommunion ge¬bollert. Die »Weihnachtsschützen« schos¬sen gewöhnlich ihre Böller von einem bestimmten Platz während der Prozession ab.
Diese »Fronleichnamsschützen« bildeten eigene Vereine, die später (in der Ramsau z.B. schon 1934) im Weihnachtsschützen¬verein aufgingen.
Der Brauch des Weihnachtsschießens ge¬hört ursprünglich wohl zu jenen Winter- sonnwend-Bräuchen, welche die ruhenden (und bald neu aufkeimenden) Lebens- und Wachstumsgeister wecken und (magisch) fördern wollten. Dazu sollen alle lebensfeindlichen und wachstumshemmenden Geister (Dämonen) gebannt werden. Sol¬che Sinngebung vermischte sich im christ¬lichen Raum mit dem Wissen, daß die wah¬re Sonne geboren wurde, die nun alle Saaten belebte, alles dämonische Dunkel vertrieb. So wurde das Schießen immer mehr zum Salut für das göttliche Kind in der Krippe,
den Herrn der Welt (wobei eine alte Dämo¬nenfurcht bis heute nicht ganz überwunden ist). Der vielfache Widerhall der Böller in den Bergtälern verkündete weithin den Sieg des wahren Lichtes.
Das Schießen am Fronleichnamstag war schon vom Ursprung her ein solches Sa¬lutschießen für den Herrn.

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