Die Adventszeit und ihr Brauchtum

1.1 Geschichtliche Entwicklung der Adventszeit
Die Anfänge einer selbständigen Advents¬zeit gehen in das 5. Jahrhundert zurück. Erste Spuren zeigen sich im Gebiet der Kirchen von Antiochien und Ravenna (das vom Orient stark beeinflußt war).2 Mög¬licherweise ist zunächst wenigstens ein Sonntag der Vorbereitung auf die Christ¬geburt gewidmet worden. Die ersten Me߬formulare sind offenbar der Fastenliturgie entlehnt worden, da der Gedanke des Fa¬stens und der Buße zur Vorbereitung des Festes einen großen Raum einnahm.
Im Bereich der gallikanischen (altgalli¬schen) Liturgie gibt es zu dieser Zeit noch keine Adventsliturgie. Große Prediger wie Maximus von Turin (gest. um 420) oder Caesarius von Arles (470 – 542) mahnen jedoch zu Buße und Enthaltsamkeit in der Zeit der Vorbereitung auf das Fest. Per-
petuus von Tours (gest. 490) ordnet ein dreimaliges wöchentliches Fasten als Vor¬bereitung an, und zwar vom Fest des Hei¬ligen Martin an. Diese Fastenordnung wird auf der Synode von Macon (583) für den Bereich der altgallischen Liturgie verbind¬lich vorgeschrieben. Langsam werden die sechs Wochen bis zum Fest dann auch liturgisch ausgestaltet.
Wann der Begriff einer Martinsquadrage- se aufkommt, ist nicht mehr zu bestimmen. Jedenfalls wird das dreimalige wöchentli¬che Fasten bald ausgeweitet. Bezogen auf das Fest der Epiphanie am 6. Januar (das an liturgischer Bedeutung das Geburtsfest immer überragte), kam man vom Martins¬fest an auf ein vierzigtägiges Fasten, wenn man die Sonntage und – nach östlichem Brauch – auch die Samstage nicht als Fasttage zählte.
In Rom ist eine Adventsliturgie erstmals um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch das Gelasianische Sakramentar bezeugt. Gregor der Große (gest. 604) gibt dieser Liturgie eine neue Gestalt und setzt die Zahl der Adventssonntage auf vier fest. Aber diese Neuerung setzte sich nur schwer durch. Die altgallische Liturgie hielt an ihrer Martinsquadragese fest; und als die altgallische durch die römische Liturgie des Advents ersetzt werden sollte, blieb etwa Mailand – bis heute – bei der Feier einer sechswöchigen Adventszeit. Andere Teilkirchen feierten fünf Advents¬sonntage. Die römische Liturgie gewann erst im 11. Jahrhundert unter dem Einfluß der cluniazensischen Reform und im 13. Jahrhundert durch den Franziskanerorden außerhalb Roms an Boden. Pius V. schrieb dann die römische Adventsliturgie für die ganze Kirche vor (was Mailand nicht hin¬derte, einen Eigen weg zu gehen).
Mit dem Gedanken der Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung Christi durch Buße, Enthaltsamkeit und Gebet verband sich das Wissen, daß auch das Fest der Weihnacht ein adventliches Fest ist, daß wir alle von Kirchenjahr zu Kirchenjahr der »zweiten Weihnacht« entgegengehen: dem endgültigen Kommen unseres Flerrn in der Vollendung der Zeit. Vor allem die altgallische Liturgie hat diesen Gedanken
in die Feier des Advent eingetragen. Die Jahrtausendwende mit ihrer gesteigerten Endzeiterwartung mag viel dazu beigetra¬gen haben, diesen Gedanken lebendig zu erhalten. So wurde der Advent lange nicht als Beginn, sondern als Ende des Kirchen¬jahres3 gesehen (andere »Anfänge« waren Ostern oder das Fest der Verkündigung). Erst in jüngerer Zeit4 setzte sich der Ad¬vent als Anfang des Kirchenjahres durch. Das hatte jedoch zur Folge, daß der Wie¬derkunftgedanke zurücktrat und erst in unserer Zeit neu belebt wurde.

1.2 Zur Theologie der Adventszeit
Pius XII. erklärt in seiner Enzyklika »Me¬diator Dei«: »Das liturgische Jahr, von der Frömmigkeit der Kirche genährt und be¬gleitet, (ist) nicht eine kalte, leblose Dar¬stellung längst vergangener Dinge oder eine einfache, bloße Erinnerung an Ereig¬nisse aus einer früheren Zeit. Vielmehr ist es Christus selbst, der in seiner Kirche fortlebt und der da den Weg seines uner¬meßlichen Erbarmens weitergeht, den er selbst in diesem sterblichen Leben, als er Wohltaten spendend dahinging, begonnen hat in der liebevollen Absicht, daß so die Menschen mit seinen heiligen Geheimnis¬sen in Berührung kämen und sozusagen in ihnen lebten« (MD 163). So wird das Kirchenjahr zum »Christusjahr«.
In der Adventszeit wird – wie in jeder Festzeit dieses Christusjahres – eine drei¬fache Schicht deutlich: die der memoria, des mysteriums und der prophetia.
Die memoria ist die Erinnerung des ein¬maligen Geschehens der Vergangenheit. In der Adventszeit wird in diesem Sinne erinnert an das jahrtausendelange Warten des Heilsvolkes der Juden auf den Messias (ein Warten, das nur für die Christenheit mit der Geburt Christi beendet wurde) und das Warten aller adventlichen Völker auf den Heilbringer, der ihre Sehnsüchte, Träume, Wünsche … erfüllt5.
Solche memoria wird zum mysterium, zum Heilsgeschehen hier und heute. Der Christ (und mit ihm die Menschheit) wartet auf das Kommen des Messias, das für den Christen in der Weise des Sakramentes am Fest der Geburt Jesu Christi Gegenwart wird. Der jährlich gefeierte Advent wird dabei transzendiert zum Advent des christ¬lichen Lebens, da der Christ mit dem Gottesvolk (und wieder: der Menschheit)
auf die »Zweite Weihnacht«, das endgül¬tige Kommen des Kyrios, wartet, womit der Gedanke der prophetia deutlich ist. Das adventliche Warten hier und heute ist 1 iturgisch geprägt durch den Parusiegedan- ken, der vor allem am ersten Adventssonn¬tag dominiert, und vom Bußgedanken, in dessen Dienst die liturgischen Texte der übrigen Adventssonntage stehen. Dazu kommen die violette Farbe der Meßge¬wänder, das Fehlen des Gloria in der Li¬turgie und die »geschlossene Zeit«, die bis heute feierliche Trauungen, Tanzveran¬staltungen etc. verbietet. Dennoch hat sich der strenge Bußgedanke im Advent nie so durchgesetzt wie in der österlichen Bu߬zeit. Zu groß war die Vorfreude auf das kommende Lest (das dem Herzen des Vol¬kes nähersteht als alle andern des Kirchen¬jahres); zu viele Leste beliebter Heiliger (der Gottesmutter, der Heiligen Barbara, des Heiligen Nikolaus und der Heiligen Luzia) drängten den Bußcharakter zurück. So störte sich niemand daran, daß die »Messe unserer lieben Frau im Advent« (Rorate) das Gloria kannte, wie schon das Flurheymsche Deutsche Meßbuch von 1529 bezeugt.6/7 Der Mitt-Advent (der Sonntag Gaudete) läßt bis heute als litur¬gische Farbe ein freudiges Rosa zu.

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