Die Adventszeit und ihr Brauchtum 8

Die Gaben, die St. Nikolaus brachte, sind zunächst Gaben des Herbstes gewesen: Obst (Dörrobst), Nüsse, Kletzenbrot. Aber schon Naogeorgus zeigt, daß auch andere Gaben geschenkt wurden: Hosen, Schuhe, Gürtel und Schleier.. .Die Augustinemon- ne Klara Staiger trägt um 1640 in die Klosterbücher ein: »Am St. Niklastag habe ich jeder Schwester ein halbes Pfund Seife, eine Semmel und Äpfel gegeben; dem Gesinde gab ich was in meinem Vermögen stand. Auch den Altarbuben 1 Büchlein und Kreuzer und den Kindern im Dorf jeweils ein Bildlein, eine Semmel und eine Hutzel.«39
Seit historisch nicht genau fixierbarer Zeit hat der Nikolaus Begleiter. Es sind in der Regel Schreckgestalten. Zahl und Her¬kunft sind so vielfältig, daß bis heute (trotz der verdienstvollen Arbeit von Meisen) eine saubere Katalogisierung oder Deu¬tung nicht möglich ist.40 Ich vermute, daß das Nikolaustreiben, wie es sich im Lauf der Jahrhunderte in den einzelnen Gauen und Ländern ausbildete, schlechthin un¬überschaubar ist und kaum gedeutet wer¬den kann.41 Eine der Wurzeln des Brauchs liegt sicher in der kirchlichen Tradition. Danach tritt der Teufel neben den Heili¬gen, normalerweise als dessen (oft aufsäs¬siger) Diener. Vielleicht haben Legenden von Teufelsbändigungen des Heiligen zum Brauch beigetragen.42 Aber es kann nicht ausgeschlossen wer-den, daß alter heidnischer Glaube an Ve¬getationsdämonen, Totengeister, das »Wilde Heer«, das bald in den »Zwölften« (den Rauhnächten) die dunkle Welt des Mittwinters durchjagen wird… in solche Schreckgestalten eingegangen ist. Einige dieser Gestalten sind ja zunächst ohne den Heiligen aufgetreten (wie die Butten¬mandln des Berchtesgadener Landes), bis sie mit seinem Brauch verbunden wurden oder haben ihn ganz verdrängt, wobei sie seinen Namen okkupierten.43744 Für die Gestalt des Heiligen selbst aber braucht man nicht heidnische Mythologien zu bemühen. Er ist rein christlichen Ur¬sprungs (hier ist Meisen mit Nachdruck zuzustimmen). Er hat keinerlei Beziehung zu Wodan (Odin), dem germanischen Göt¬tervater, noch erinnert der Schimmel, auf dem der Heilige gelegentlich in die Städte und Dörfer reitet, an Sleipnir, das Roß Odins, sondern an das Reittier aller vor¬nehmen Personen: der Päpste, Bischöfe, Kaiser und Könige (wobei der Esel – gegen Meisen – nach dem Einzug in Je¬rusalem wohl kaum als ursprüngliches Reittier des Teufels gedeutet werden kann).
Exkurs: Nikolaus und Weihnachtsmann
Die Gestalt des so beliebten Heiligen und sein Kult waren den Reformatoren ein Dorn im Auge. Sie versuchten bald, an seine Stel¬le Christus als Gabenbringer zu setzen. An vielen Orten brachte daher das Christkind in leiblicher Gestalt Gaben, wobei der Ge¬schenktag immer mehr auf das Christfest verlegt wurde. Geschenke katholischer Ge¬ber zum Nikolaustag (nicht zuletzt katho¬lischer Fürsten) wurden von Protestanten sehr betont mit »Gaben zum heiligen Christ« erwidert.43 So wurde der Nikolaus¬kult (eine Ausnahme bilden die Niederlän¬der) in den evangelischen Gebieten immer mehr zurückgedrängt.
Es ist m.W. nicht erwiesen, daß (etwa als Gegenfigur zum Nikolaus) die Gestalt des
Weihnachtsmanns auf protestantische Kreise zurückgeht. Eine solche Gestalt wäre im Protestantismus theologisch ab¬surd (allenfalls als Karikatur eines St. Ni¬kolaus zu verstehen); und die Hüter der »reinen Lehre« hätten sich einen Bären¬dienst erwiesen. Allerdings zeigt eine Kar-tenskizze des »Wörterbuchs der deutschen Volkskunde«46, daß sich die Verbreitung der Brauchtumsgestalten Nikolaus und Weihnachtsmann ziemlich genau mit den Konfessionsgrenzen deckt, was aber nur heißt, daß eine Figur wie der Weihnachts¬mann in evangelischen Gegenden beim Volk eher Fuß fassen konnte als in katho¬lisch geprägten.
Nach dem Grimm’schen Wörterbuch ist der Begriff »Weihnachtsmann« zum ersten Mal in einem Buch von Bernd über die »Deutsche Sprache in Posen« 1820 nach¬zuweisen. Dort wird das Christkind (»in Posen und Westfalen« [?]) mit dem Weih¬nachtsmann gleichgesetzt. »In schwung ge¬bracht« habe das Wort (seit 1837) Hoff- mann v. Fallersleben: »so macht uns alle freudenreich/der liebe, der gute Weih¬nachtsmann« und (bekannter): »morgen kommt der Weihnachtsmann.« Im übrigen handelt es sich nach Grimm um ein »merk¬würdig geschichtsloses wort«.47

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