Die Adventszeit und ihr Brauchtum 7

Sein Festtag, der 6. Dezember, ist im Abendland zuerst in Neapel nachweisbar, wo er in einem lateinisch geschriebenen Marmorkalender (zwischen 821 und 841) aufgeführt ist.
Im Hintergrund all dieser Verehrung stan¬den die Legenden, die sich bald um den Heiligen rankten. Sie gehen in der bis heute überlieferten Form auf Symeon Me- taphrastes (auch Logothetes genannt) zu¬
rück, der in seinem »Menologium seu Vitae Sanctorum« die frühen Legenden um den Heiligen überliefert. Zum Urbe- stand gehören:
die Legende der Errettung von drei unschuldig Verurteilten und drei fälschlich angeklagten Feldherm (»Stratelatenlegen-de«); die Legende von der Mitgift, die der Heilige dem Vater von drei Jungfrauen schenkt, damit sie ehrbar verheiratet wer¬den können; die Legende vom Korn wunder, nach der der Heilige in einer Hungersnot den Kapitän kaiserlicher Komschiffe bewegt, Kom an die Leute von Myra zu verteilen, ohne daß die Fracht geringer wird; die Legende von den Schiffern in See¬not, denen der Heilige erscheint und sie sicher führt, bis der Sturm gestillt ist; die Legende von der Göttin Diana, deren (Baum-)Heiligtum St. Nikolaus zerstört hatte und die sich dadurch rächte, daß sie mit leicht brennbarem Öl die Kirche des Heiligen anzünden lassen wollte, was aber der Heilige vereitelte.
Nach 1087 sind weitere Legenden im Abendland hinzugefügt worden, so etwa die bekannte von den drei Schülern, die einem Verbrechen zum Opfer fielen und nach der Ermordung eingepökelt wurden, aber vom Heiligen wieder zum Leben erweckt wurden. Die Legenda aurea des Jakobus de Voragine kennt um 1298 diese Legende noch nicht.35 Die Patronate und Patrozinien des Heili¬gen gehen weithin auf diese Legenden zurück. Die größte Wirkungsgeschichte dürfte die (späte) Legende von den »ein¬gepökelten Knaben (Schülern)« gehabt haben, da sie zur »Pädagogisierung« des Heiligen im Mittelalter (und bis heute) die Grundlage gab.
Auch zur Darstellung des Heiligen gaben die Legenden wichtige Impulse. Auf den ältesten Darstellungen des Westens ist er bis ins 14. Jahrhundert ohne Attribute in bischöflichen Gewändern dargestellt, mit Buch und (später) mit Stab und Mitra (seit dem 15. Jahrhundert allgemein mit der Kasel). Danach sind die drei goldenen Kugeln aus der Mitgiftlegende die häufig¬sten Attribute des Heiligen, die meistens auf dem Buch in der Hand des Bischofs liegen. (Seltener sind es drei Goldbarren oder drei goldene Äpfel.) Von den übrigen
Legenden dürften am häufigsten die drei eingepökelten Knaben nach ihrer Wieder¬belebung mit dem Bischof dargestellt sein.36
Es ist bei der Beliebtheit des Heiligen nicht verwunderlich, daß er schon bald in eini¬gen Gegenden zu den 14 Nothelfem ge¬zählt wurde, zu deren Urbestand aus dem 14. Jahrhundert er nicht gehört.37 Das jüngere, sich bis heute behauptende, Brauchtum um St. Nikolaus geht weithin auf die Rolle zurück, die er an den Schulen und in der gesamten Pädagogik des Mittel¬alters und nicht zuletzt der Gegenreforma¬tion gespielt hat. Die Beliebtheit des Heili-gen, im Verein mit der Schülerlegende, haben ihn zum Heiligen der Schüler und Kinder gemacht, wobei sein Fest altes Brauchtum vom Tag der Unschuldigen Kinder (28.12.) an sich gezogen hat. An diesem Tag gab es schon früh einen »epi- scopus puerorum«, also einen »Kinderbi¬schof«, der an diesem Tag feierlichen Ein¬zug hielt und die bischöfliche Regentschaft übernahm. Auswüchse solchen Brauchs haben schon bald (867/70 auf einem Konzil zu Konstantinopel) zum Verbot eines sol¬chen Kinderbischofs geführt, dennoch wur¬de der Brauch später geduldet und hat sich (etwa in Spanien) bis heute erhalten.
Durch solchen Brauch bekam der Niko¬laustag einen hohen Stellenwert in den Schulen. Seit dem 17. Jahrhundert sind dann auch »Spiele« belegt, bei denen der Heilige Nikolaus mit Begleitern die Kin¬der (Schüler) examiniert (vor allem natür¬lich in Glaubensfragen und über ihr christ¬liches Tun), sie tadelt und/oder Gaben an sie austeilt.
Als Gabenbringer ist St. Nikolaus schon im 13. Jhdt. bezeugt (LThK). 1535 werden Luthers Kinder vom Hl. Nikolaus be¬schert. 1555 rügt der evangelische Theo¬loge Th. Naogeorgus (Kirchmeyer), daß die Mütter in der Nacht vor St. Nikolaustag den Kindern Geschenke (und eine Rute) bereitlegen. »Verfürn also das jung ge- blüt/Das sie wenden ir sin und gmüt/Von Gott, den glauben zu verletzen/Ir hoffnung zu den heilgen setzen.«
Die Kinder störte das wenig. Sie freuten sich auf die Gaben und legten ihre »Klau¬senhölzer, Kerbholz, Betholz, Vaterunser- Hölzle«, in die sie ihre guten Taten ein¬gekerbt hatten, dem Heiligen hin, dazu oft Futter für sein Reittier.

Für mehr Infos: Reiseführer Hamburg, Reiseführer Vietnam Kambodscha, Bhaya cruise Halong bay, Vietnam Rundreisen und Baden

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