Die Adventszeit und ihr Brauchtum 5

Bild oder Statue werden an einen ge¬schmückten Platz im Hause gestellt. Es folgt eine Hausandacht, die aus adventli- chen Texten, Gedichten, Liedern… beste¬hen kann. Dazu werden Nachbarn und Freunde eingeladen, mit denen man an¬schließend in geselliger Runde zusam¬mensitzt. Bild oder Statue werden am Abend des nächsten Tages abgeholt. Ein Ave Maria… wird zum Abschied gebetet. Es wäre seelsorglich sehr fruchtbar, wenn der Pfarrer, der Kaplan, der Diakon oder Mitglieder des Pfarrgemeinderates die häusliche Feier leiten und anschließend mit der Familie und den Nachbarn ein Gespräch führen könnten. Aber das wird nur in seltenen Fällen möglich sein, ob-wohl zu fragen ist, ob hier nicht seelsorg¬liche Möglichkeiten ungenützt bleiben.
Die Rauh-(Rauch-)Nächte24
Es gibt keine Zeit im Kirchenjahr, deren Herkunft und Art so umstritten ist wie die Zeit der Rauh-(Rauch-)Nächte. Es ist un¬klar, welche Nächte überhaupt gemeint waren. Wo man nicht allgemein alle Näch¬te des Jahres so bezeichnete, in denen
»geräuchert« wurde, d.h. in denen Haus und Hof ausgesegnet wurden (so in der Oberpfalz etwa auch die Nacht vor dem Osterfest25), waren ganz verschiedene Nächte so benannt. Es galten die Nacht vor dem Fest des Heiligen Thomas (21. 12.), die Heilige Nacht, die Silvesternacht und die Nacht vor dem Dreikönigstag in besonderer Weise als Rauchnächte. Gele¬gentlich sind aber auch die Nacht vor St. Luzia oder die vor dem Fest des Heiligen Nikolaus mit einbezogen.26 Gewöhnlich werden die zwölf Nächte vom Heiligen Abend bis zum Vorabend des Epiphanie¬festes als Rauh- oder eben Rauchnächte angesehen, wobei das LThk zur »Zwölf- tenzeit« die »12 Tage zw. dem Thomastag u. dem Dreikönigstag« rechnet27. Die Rauchnächte heißen also häufig auch die »Zwölften« (wobei die »Hauptnächte«: die vor Weihnachten, Neujahr und Epi¬phanie bis heute offenbar eine besondere Rolle spielen). Nach der »Zeitschrift für die Mundarten (1910)« sind sie schon im vierten nachchristlichen Jahrhundert eine »heilige Festzeit«(?) gewesen.28 Der Name der Rauh-Rauchnächte dürfte ursprünglich mit der rauhen (rauchen) Zeit Zusammenhängen, den dunklen, oft sturm- durchtosten, frostkalten Nächten des Mitt winters. Es muß offen bleiben, ob später die Aussegnung von Haus und Hof einen Einfluß auf die Namengebung (als neue Sinndeutung) gehabt hat.
Wenn das LThK sagt: »(Die Zwölftenzeit) geht auf älteste indogermanische u. ger¬manische Vorstellungen v. der unheimli¬chen Macht der Nachtgeister über Tag, Licht u. Leben zurück u. hat bedrückende Sagen u. viele Bräuche… bewahrt«, so ist Wichtiges ausgesagt. Das Licht beginnt wieder zu steigen, entringt sich den Dun¬kelheiten. Dieses Aufsteigen des Lichtes (keineswegs selbstverständlich für unsere Vorfahren) wird von vielen Bräuchen, die oft magisch den Kampf von Licht und Dunkelheit unterstützen, begleitet. Hier haben die vielen lärmenden Umzüge ihren Platz, das Böllern und Schießen zur Ab¬wehr der Unheilsgeister, wobei bei den Umzügen und Darstellungen dieser »rau(c)hen Geister« auch magische »Ban¬nungen« eine Rolle spielen. Hier sind aber auch jene Bräuche einzuordnen, die auf die Lörderung der Lebenskräfte zurückge¬hen, wie das »Lüttem« der Elemente (Wind, Leuer, Wasser)29 und der (Obst-) Bäume, die von den Mägden oft in solchen Nächten (vor allem der Heiligen Nacht) umarmt wurden.
Verständlich ist auch, daß diese Nächte weithin »Losnächte« waren. Man wollte, nachdem nun das neue Jahr (mit dem Aufsteigen des Lichtes) begann, die Zu¬kunft erfragen. In diesen Nächten redeten die Tiere in menschlicher Sprache und sagten die Zukunft voraus… Von all dem ist das Bleigießen geblieben, das vor allem in der Mitte der Rauhnächte, also in der Silvesternacht, geübt wird.
Das Christentum traf auf die Bräuche und Mythen dieser Zeit, die durch das Chri¬stentum wohl erst zu den »Zwölften« wur¬den und in neuerer Zeit ihre Lixierung auf die Nächte von Weihnachten bis Epipha¬nie erhielten (oder eben vom Thomastag bis Epiphanie, wobei dann einige Pest¬nächte ausgespart werden müssen). Christ¬liches Brauchtum vermischte sich mit dem uralt heidnischen, wobei viel heidnisches Gut bewahrt blieb oder umgedeutet wurde. So wird mit der »wilden Jagd« der Uner- lösten, Unbeendeten und »wilden« Geister der Glaube an die »Armen Seelen« und deren Schicksal verbunden.

Lesen Sie mehr: Reiseführer Hamburg, Kambodscha Reisen Erfahrungen, Ginger cruise Halong bay, Rundreise und Baden Vietnam

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply