Die Adventszeit und ihr Brauchtum 4

Solche Herbergsuche war durch ein kirch¬lich approbiertes Gebetbuch mit dem Ti¬tel: »Anmutigste Unterhaltung mit den heiligsten Personen Maria und Joseph in ihrer Beherbergung zur heiligen Advents¬zeit«19 tief in das Gemüt der Gläubigen eingedrungen. So löste sich ein eigen¬ständiger Brauch der Herbergsuche aus den Schauspielen heraus. In der Barock¬zeit wurde dabei eine Bildtafel, welche »die heiligen Leut in der Umfuhr« dar¬stellte, zu bestimmten Häusern der Ge¬meinde getragen. Dabei wurden Maria und Joseph nach festem Ritus feierlich begrüßt, aufgenommen und am nächsten Abend (beim Aveläuten) wieder verab¬schiedet. Vielfach war der Brauch mit
der Armen-(Wohlfahrts-)Pflege verbun¬den. Man erhielt Gaben für die Armen; und in verschiedenen Bürgerhäusern wur¬den (in Erinnerung an die Herbergsuche) je zwei arme Personen im Advent be¬wirtet und reich beschenkt.20 Solche Herbergsuche hat sich in der Form des »Frau(en)tragens« bis heute erhalten. Etwa im 17. Jahrhundert wurden »Emp¬fängnistafeln« oder solche der »Heimsu¬chung Mariä« (Maria gravida) von Haus zu Haus getragen, gelegentlich auch Sta¬tuen der Gottesmutter, wobei man um Aufnahme der (schwangeren) Maria und Josephs bat. Der Ritus war sehr vielfältig. Kinder oder junge Mädchen… brachten die Tafel von Haus zu Haus, oft von anderen Menschen mit Fackeln… beglei¬tet. Der Zug wurde an der Haustür be¬grüßt, die Tafel (oder die Statue) an einen geschmückten Platz im Haus gestellt. Nach einer Hausandacht wurde ausgiebig gegessen und getrunken, danach nicht selten getanzt. Am andern Abend wurde die Tafel ins nächste Haus getragen. Das Frauentragen fand gewöhnlich an den letzten neun Tagen vor Weihnachten statt. Am Christtag wurde die Tafel… in die Kirche oder das Pfarrhaus zurückge¬tragen. Es war jedoch auch üblich, den Brauch im ganzen Advent zu pflegen. Ja, in Baden ist er für die Zeit vom 16. Dezember bis Mariä Lichtmeß nachge¬wiesen.21 Das gleiche gilt für den frän¬kischen Raum.22
Mißbräuche blieben nicht aus. Die häus¬lichen Feiern arteten bald aus. So wurde der Brauch auch von der Kirche oft ver¬boten, er hielt sich aber zäh. Im Salz¬burger Land und in der Steiermark wurde er in einigen Gegenden ohne Unterbre¬chung geübt. In Deutschland war er sehr selten geworden, gehört heute aber wieder an vielen Orten zum beliebten Brauchtum des Advents.
Der Brauch sollte erhalten bleiben. Daß der Herr zu jedem von uns kommen will – hier und heute – bis in der »zweiten Weihnacht« der Kosmos überführt wird in den »Neuen Himmel und die Neue Erde«, wird in diesem adventlichen Brauch vor Augen geführt. Kinder oder Jugendliche (auch Angehörige des Pfarr- gemeinderates…) tragen das Bild oder die Statue in die Häuser der Familien, die sich zum Beginn des Advents in Listen eingetragen haben. An der Haus¬schwelle bitten die Kommenden um Ein¬laß. Ein fränkischer Text dafür lautet:
O Freundin, nimm sie auf in ihrer kalten Wanderschaft,
die reinste Mutter Jesu in ihrer unbefleck¬ten Mutterschaft.
Verehr sie aber nicht nur heut und morgen,
sondern hilf beständig ihre Ehr besorgen.
Hausfrau (oder Hausherr) antworten:
Sei gegrüßt, o Jungfrau rein,
mit Freuden nehm ich dich in meine Wohnung ein.
Verehren will ich dich von ganzem Herzen,
verlaß auch du mich nicht in meinen T odessch merzen ,23
Ein Mundarttext aus der Oberpfalz (hier ins Hochdeutsche übertragen) lautet:
Wir kommen, wir fragen, wir klopfen an,
ob Christus, der Heiland, zu euch kom¬men kann.
Unsre Liebe Frau ist wieder auf der Rei¬sen,
wir möchten ihr gern eine Herberg zu¬ weisen.
Wir möchten erbitten ein gut’s Quartier, ein offenes Herz, eine offene Tür; eine offene Tür für den Christus auf Erden,
der aus Maria geboren will werden.
Wollt, liebe Leut, uns eintreten lassen; die Mutter Gottes steht auf der Straßen. Und St. Joseph, der heilige Mann, der fragt bei euch um Herberge an.
Tut ihre Wanderschaft fleißig verehrn und das heilige Kommen von Christus, dem Herrn.
Drum komm’n wir und klopfen, drum fragen wir an,
ob Christus, der Heiland, zu euch kom¬men kann.
Die Hausfrau (der Hausherr) antwortet:
O Jungfrau Maria, von Herzen gern! Tritt ein mit unserem lieben Herrn!
Du bist voll der Gnaden, sei uns gegrüßt, und gelobt sei dein Sohn, unser Herr Jesu Christ.
Es ist uns Ehre und große Freud, daß ihr zu uns gekommen seid.
Denn jedes Haus wird gesegnet sein, in das ihr beide tretet ein…
O liebste Maria, tritt herein, und wollst unsre Frau und Mittlerin sein, daß wir eintreten dürfen bei deinem Sohn,
wenn Er wiederkommt auf ewigem Thron!

Für mehr Infos: Hamburg Reiseführer | Kambodscha Reisewetter | Halong Phoenix cruiser | Rundreisen Vietnam und Baden

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply