Das Osterfest und sein Brauchtum 5

Passions- und Osterspiele.
Das »Heilige Grab«
Das geistliche Schauspiel des Mittelalters ist aus der Osterliturgie erwachsen , Ur- bestand der »Osterfeier«16 ist der tropus, der »in Frage und Antwort die Verkündi¬gung der Auferstehungsbotschaft durch den Engel am Grabe Jesu an die Frauen, die seinen Leichnam salben wollen, zum Inhalt hat«. Dieser tropus könnte – falls er zu Recht Tuotilo zugeschrieben wird, aus dem Beginn des 10. Jahrhunderts stammen. Die »Osterfeier« hat ihren Ort zunächst vor dem Introitus der Ostermes¬se, wird dann aber (erweitert) in der Frühe des Ostertages zwischen dem letzten Re- sponsorium und dem Te Deum der Matu- tin (also des Nachtgebetes der Geistlichen) gespielt.
Aus diesem Ansatz entwickeln sich die beliebten Passions- und Osterspiele des Mittelalters und der Neuzeit. Sie sind zu¬nächst eng der Liturgie verbunden, bezie¬hen ab 1200 die deutsche Sprache ein (das älteste deutsche Osterspiel, das Osterspiel von Muri, ist fast ganz in deutscher Spra¬che geschrieben), bis endlich über viele Zwischenstufen19 die großen, von der Li¬turgie gelösten oder mit ihr nur noch lose verbundenen) Passionsspiele entstehen, wie wir sie etwa von Oberammergau ken¬nen.
Einer der ältesten Belege für die Oster¬spiele, die »Regularis concordantia« des Bischofs Ethelword (10. Jahrhundert), die für die Benediktinerklöster Englands gül¬tige Sammlung liturgischer Bräuche, nennt im Zusammenhang vier »liturgische Darstellungen«:
• die adoratio crucis – die Verehrung des Kreuzes;
• die depositio crucis – die »Grablegung« des Kreuzes;
• die visitatio crucis – den Besuch, das Anschauen des Kreuzes;
• die elevatio crucis – die Erhebung des Kreuzes (aus dem Grab).
Die »adoratio crucis«, sei es als Einzel¬verehrung, sei es als Verehrung der Ge¬meinde, während das enthüllte Kreuz über ihr aufgerichtet ist, ist bis heute fester Bestandteil der Karfreitagsliturgie.
Die »depositio crucis« ist früher als »Grab¬legung« des Kreuzes geschehen, wobei später das Kreuz durch einen geschnitzten Corpus ersetzt wurde. Dieses »Heilige Grab« ist beim Volk sehr behebt gewesen. Am Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe Jesu, war die Kirche mit Gläubigen gefüllt, die das Heilige Grab besuchten und dort beteten (»visitatio crucis«). Vor allem im südlichen deutschen Sprachgebiet war das Heilige Grab festlich geschmückt. Das Licht der Kerzen wurde (und wird) durch die »Grabkugeln« (Glaskugeln, die mit ge¬färbtem Wasser gefüllt sind oder deren Glas farbig ist) gedämpft.
Zum ersten Mal wurden wohl im 10. Jahr¬hundert heilige Gräber errichtet, in die man ein Kreuz oder eine vom Kreuz ab¬gelöste Heilandsfigur legte. Gelegentlich (erstmals bezeugt bei Bischof Ulrich von Augsburg) hat man im Heiligen Grab die von der Karfreitagskommunion übrigge- bliebenen Hostien aufbewahrt; manchmal in einer Öffnung (Wunde) der Grable¬gungsfigur. Da man diese Hostien am Ostermorgen feierlich »erhob«, bildete sich später der Brauch aus, das Heilige Sakrament an die Stelle des Kreuzes zu setzen, bis es sich im Süden einbürgerte, während der ganzen »Vierzig Stunden« der Grabesruhe das Allerheiligste in der Monstranz feierlich auszusetzen. Um den Charakter der Kartage zu wahren, war (ist) die Monstranz verschleiert.
Die »Grablegungsfigur« wurde am Oster¬morgen feierlich erhoben (»elevatio cru¬cis«); später die Monstranz.
Osterfeiem der alten Form und Osterspiele sind in den Gemeinden weit weniger ge¬bräuchlich als Weihnachtsspiele. Viel¬leicht ist ein Gespür dafür dagewesen, wie leicht hier Grenzen überschritten werden können. Vieles spricht dafür, daß »das Kreuz aus dem Spiel bleiben muß« (Molt¬mann). So werden die großen Passions¬spiele wohl stets umstritten bleiben, ob¬wohl nicht verkannt werden soll, daß man¬che Menschen hier einen Zugang zur Pas¬sion finden können. Dagegen sollte die Frage der vier alten »(Spiel-)Zugänge«, vor allem für die Kar¬woche, genau überlegt werden. Die ado- ratio crucis am Karfreitag sollte sehr emstgenommen werden. Wo eine Einzel¬anbetung nicht möglich ist, sollte das ent¬hüllte Kreuz in einer längeren Zeit der Stille (oder beim Gesang der Improperien) über (vor) der Gemeinde auf gerichtet sein, damit diese kniend anbeten und verehren kann.
Das Kreuz wird in unsem Kirchen – nach der Liturgiereform, durch die so manche Bräuche »an Boden verloren haben« (Adam/B erger) – an eine gut sichtbare S tei¬le gehängt und besonders reich ge¬schmückt. Aber die Gläubigen kommen am Karsamstag kaum noch zur Kirche, um das Kreuz zu verehren. Der Karsamstag wird pastoral (auch theologisch) immer mehr ein »inhaltsarmer« Tag. So ist zu überlegen, ob nicht das Heilige Grab mit der feierlichen Zeremonie der »depositio crucis« wieder gebräuchlich werden sollte. Dabei kann das Kreuz während der Karfreitagsliturgie in ein solches Grab gelegt werden oder (nach der Liturgie) eine geschnitzte Grabfigur. Den Karsamstag über könnte dann der Herr im Grab »besucht« werden (»visi- tatio«).
Eine feierliche »elevatio« des Kreuzes während der Osternachtliturgie ist nur dort möglich, wo das Grab in einer Seitenka¬pelle, einer »Werktagskirche« … aufge¬stellt ist. Dann könnte das Kreuz nach dem Exsultet »erhoben« und in feierlicher Pro¬zession an seinen Ort im Kirchenraum gebracht werden, wo es zumindest wäh¬rend der Festoktav verbleibt.
Wenn im Grab eine geschnitzte Figur liegt, tritt die Ostemachtliturgie an die Stelle der »elevatio«.
Die Monstranz mit dem Allerheiligsten im Heiligen Grab oder mit ihm verbunden aufzustellen, ist durch römische und bi¬schöfliche Verlautbarungen untersagt wor¬den. Zu Recht, denn hier wird die Symbolik und damit der Brauch zerbrochen.

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