Das Osterfest und sein Brauchtum 19

Man hätte vermuten können, daß gerade am Ostertag die Botschaft als eine »Frohe« Botschaft ausgelegt werde, daß also der Scherz, die humorvolle Geschichte.. .dazu dienten, das Mysterium bereiter aufzuneh¬men, es tiefer verstehen zu lehren. Aber schon Oekolampadius schreibt, daß bei einem Gespräch über das Osterlachen, bei dem er gefragt habe, ob »diese Dinge« (die von den Predigern getan und geredet würden) Allegorien seien, er die Antwort erhalten habe (von einem »alten Mann«), daß dieser von Predigern gehört habe, »nicht die Erschließung der Mysterien sei der Zweck der Osterpredigten, sondern lediglich die Belustigung der Zuhörer«. Und da die meisten Menschen sich eben vor allem durch Sexuelles belustigen, war die Entwicklung vorgezeichnet. Die Reformatoren haben sich in der Mehrheit gegen solchen Brauch gewandt. Es muß auch gerechterweise gesagt wer¬den, daß sich viele kirchliche Verlautba¬rungen (bei grundsätzlicher Billigung des Osterlachens) gegen die Auswüchse wandten.
Im 18. und 19. Jahrhundert standen immer mehr die »Ostermärlein«, also skurril-hu¬morvolle Geschichten, im Mittelpunkt des Osterlachens.
Dabei war es oft schwierig, neue, die Zuhörer noch interessierende »Märlein« zu finden. So schrieb 1698 der Pfarrer Andreas Strobl aus Puchbach (Bayern) sein Predigtbuch mit dem Titel »Ovum paschale novum« (Neues Osterei), in dem er 40 gelehrige Predigten niederschrieb, die allesamt ein kleines »Ostermärlein« enthielten. Es waren oft naive, oft recht humorvolle Geschichten, die nach dem Willen des Autors »den Predigern zu (las¬sen sollen), ihre Zuhörer mit einem erfreu¬lichen oder kurtzweiligen Gedicht und Oster-Märlein auffzumunteren, damit die hernach auff die darauff folgende geistlich Lehr und Wort Gottes auffmerksahmer werden.«
Dennoch: Die Ostermärlein wurden im¬mer wieder durch kirchliche Verlautba¬rungen verboten (wohl wegen ihres immer noch platten, oft sexuell geprägten In¬halts), so 1853 in Regensburg: »Wir er¬mahnen und bitten (!) im Herrn alle Pre¬diger…, nicht auf Fabeln, gereimte Dich¬tungen oder Obskures zurückzugreifen. Es sollen niemals Osterpredigten gehalten werden, die das Volk Ostermärlein nennt.« Aber das Osterlachen erhielt sich an einigen Orten, so in der Steiermark, wo es nach einem Bericht der Frankfurter Zeitung vom 29.5.1911 noch lebendig war. In jüngster Zeit ist es in einigen Pfarren neu belebt worden, wobei aller¬dings großer Wert darauf gelegt wird, daß die erzählten Witze, Anekdoten, Ge¬schichten… streng im Dienst der Ausle¬gung der österlichen Mysterien stehen.
Es ist schwer, den Brauch gerecht zu be¬urteilen. Sicher wäre es richtiger, das Jahr über die »Frohe Botschaft« des Glaubens so zu verkünden, daß der Hörer eine Freu¬de empfindet, die dem Lächeln korrespon¬diert. Dennoch werden unsere Predigten heute oft genug »Worte am Rande der Tränen« sein. Die Frohe Botschaft muß dem Haß, der Gewalttat, der Erniedrigung
des Menschen, muß nicht zuletzt (und immer wieder) Auschwitz abgerungen werden. Auch die Freude weint.
Wenn die Osterfreude auch solche Tränen überwindet, wenn ich lachen kann, weil die österliche Botschaft (und sie allein) die Opfer der Geschichte in ihr Recht einsetzen kann, weil die sinnlosen Tode ihren einmaligen Sinn bekommen, dann muß ein Osterlachen möglich sein. Aber es ist sehr schwer, Geschichten zu erzäh¬len, welche nicht einfach Belustigung sind, sondern (wie die großen Clowns) »mit Scherz Entsetzen treiben« oder die voller Humor uns das Wesen des Menschen auf-zeigen, dem die heilende und erlösende Botschaft Gottes antwortet.

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