Das Osterfest und sein Brauchtum 18

Das Osterlachen (risus paschalis)
Zum Schluß der Betrachtungen über die Bräuche der Osterzeit soll eines Brauches gedacht werden, der viele Jahrhunderte hindurch in den Kirchen üblich war: des Osterlachens. Der Prediger versuchte am Osterfest, die Gemeinde durch komische oder groteske Körpersprache, später aus¬schließlich durch sogenannte »Ostermär-lein«, derb-lustige Geschichten, zum La¬chen zu bringen. Der Sinn ist deutlich: Am Fest der Freude und des Jubels sollte die Gemeinde von Herzen lachen und fröhlich sein.
Die Geschichte des Osterlachens ist al¬lerdings keine rühmliche Geschichte.
Nach Ludovicus a Seckendorf hat das Osterlachen vom 14. – 17. Jahrhundert zur (Oster-)Liturgie gehört. Er schreibt 1694: »In dieser Zeit verwendeten auch die Mönche, um ihre Predigten angenehm zu machen, freizügige und direkt skurrile Erzählungen, vor allem an Ostern, an einem Fest, bei dem es Brauch war, die Zuhörer zum Lachen zu bewegen, das sie Osterlachen nannten.« Näheres über solches Lachen erfahren wir in einem Brief, den Johannes Haus¬schein (gen. Oecolampadius oder gräzi- siert Oikolampadios) 1518 dem Wolf¬gang Capito (besser unter dem Namen Fabricius bekannt) übergeben hat, der ihn an einen gewissen Candido weiter¬leitete. Darin setzt sich der ehrenhafte katholische Priester, der 1521/22 den re¬formierten Glauben annahm, mit dem Vorwurf auseinander, daß er ein »zu ernster Prediger« sei. Offenbar war auch Capito, ein Freund Oekolampadius’, die¬ser Meinung. Der Streit ging vor allem um das Ostergelächter. So erfahren wir aus dem Brief des Oekolampadius (und dem Begleitbrief des Capito) Genaueres über die Art des Ostergelächters in die¬sem frühen 16. Jahrhundert. Nach Capito weigerte sich Oekolampadius, »Geschichten und Witze zu erzählen, die aus dem Küchenmilieu stammen. Er treibt die Zuhörer nicht zu lautem Lachen an während er Christus verkündet, er scherzt weder mit schlüpfrigen Worten, noch ruft er durch Nachahmung eines Mannes, der sich selbst befriedigt (imitatione mol- li), wie ein Possenreißer die Dinge vor Augen, die die Eheleute in ihrer Kammer und ohne Zeugen zu tun pflegen.« – Oekolampadius führt dann weitere Arten solchen »Gelächters« an:
»Einer (der Prediger) schrie immer Kuk- kuck… Ein anderer legte sich auf Rinder¬mist, tat, als sei er im Begriff, ein Kalb hervorzubringen (also wohl zu gebären)… Wieder ein anderer zog einem Laien eine Mönchskutte an, machte ihm dann vor, er sei nun Priester und führte ihn zum Altäre. Wieder einer erzählte, mit welchen Mitteln der Apostel Petrus die Wirte um die Zeche betrogen…«
Oekolampadius hatte sich (wie eine An¬zahl von Hörern) angewidert von solchen Possen abgewandt. Er hat in seinem Brief offenbar die »noch obszöneren Dinge« weggelassen.
Capito (auch er trat zum evangelischen Glauben über und war später einer der Autoren der Confessio tetrapolitana, der protestantischen Bekenntnisschrift der Städte Straßburg, Memmingen, Lindau und Konstanz zur Vorlage beim Reichstag in Augsburg 1530) verteidigt den Brauch (wenn auch sicher nicht seine Auswüch¬se). Es müsse erlaubt sein, den auferstan¬denen Herrn mit Possen (Späßen) zu emp¬fangen. »Wir haben nicht die Milch hyrka- nischer Tiger eingesogen, daß wir aus unserm Antlitz alle Anmut tilgen und aus unsern Predigten jeden schmückenden Ausdruck entfernen und aus unsern Zu¬sammenkünften jede Freude verbannen müßten!«
Es hat den Anschein, als enthalte diese früheste Auseinanderetzung um das Oster¬lachen schon im Keim das ganze Für und Wider dieses Brauches.
Vordergründig wurde er dadurch begrün¬det, daß die (offenbar auch am Fest recht leeren) Kirchen durch ihn gefüllt werden könnten (Capito verteidigt den Brauch, weil »die Prediger (sonst) in leeren Kir¬chen sprechen würden«) und dadurch, daß die Hörer sonst einschliefen. Hinter¬gründiger ist der Hinweis, daß am Fest des Auferstandenen der Scherz auch in der Predigt angebracht sei, daß der Erlö¬sungstat Gottes das Lachen der Menschen korrespondiere.

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply