Das Osterfest und sein Brauchtum 17

Das Osterwasser
Wasser spendet Leben. Wo immer sich ein Rinnsal Wassers befindet, bringt selbst die Wüste Leben hervor. Ohne Wasser muß alles Leben vergehen, und uns Men¬schen ist ein Leben ohne Wasser nur we¬nige Tage lang möglich. Das Wasser reinigt und heilt – aber es zerstört auch, wenn es in gewaltigen Fluten Äcker und Dörfer überschwemmt.
Wasser als Quell, Bach, Strom oder Meer ist eines der Ursymbole der Schöpfung. Wo immer es Menschen gibt, gibt es hei¬lige Quellen, heilige Ströme, heilige Seen. Es gibt viele Gottheiten der Wasser. Be¬sonders verehrt wurden die Quellen. In Rom wurde ein Quellenfest (Fontinalia) von Staats wegen gefeiert; strenge Gesetze schützten die Quellen. Die Kirche mußte wiederholt Verbote aussprechen, nicht an Quellen zur Gottesverehrung zusammen¬zukommen.
So geschieht – neben der Reintegration der Welten im Feuer (Vogel-Phönix-Mo- tiv) – solche Wiederherstellung auch im Wasser (Sintflutmotiv). Die alt geworde¬nen Äonen, von ihrer Schuld verdorben, werden im Bad des Wassers gereinigt und erstehen zu einem neuen Kreislauf des Lebens.
Die christliche Taufe, die vor allem an den großen Tauftagen, Ostern und Pfing¬sten, gespendet wurde, hat die alte Sym¬bolik des Wassers aufgenommen und in den Dienst des Glaubens gestellt. Der alte Mensch stirbt (wie Christus) im Wasser (des Todes) und ersteht (mit Christus) aus den Wassern zum neuen Leben. Alle Schuld ist getilgt, der Mensch gereinigt zu neuem Sein vor Gott.
Der unerschöpfliche Quell der Gnade (vorgebildet in jeder Quelle) überströmt den Menschen im Überfluß.
So wurde und wird in der Osternacht das Taufwasser geweiht, wird die Taufe voll¬zogen. Die älteste Weiheformel für das Taufwasser finden wir in der Gebets¬sammlung des Bischofs Serapion von Thmuis (gest. 362). »Darin wird Gott an¬gerufen, den hl. Geist über das Wasser zu senden, ihm Kraft zu verleihen und es zeugungsfähig und gnaden voll zu machen. Wie Gott durch seinen eingeborenen Sohn den Jordan geheiligt hat, so soll das Tauf¬wasser heilig und geistig werden, damit die Täuflinge nicht mehr Fleisch und Blut, sondern pneumatikoi, geistige Menschen, seien.« Die späteren Weiheformeln neh¬men diese Grundgedanken auf.
Von alters her war es den Gläubigen ge¬stattet, das Taufwasser mit in die Fläuser zu nehmen, damit es sie an Leib und Seele schütze und Haus und Hof bewahre. Seit dem 9. Jahrhundert darf das Osterwasser nur vor der Mischung des Wassers mit dem Heiligen Chrisam entnommen wer¬den. Das war durch die Jahrhunderte Brauch. Heute kennt die Feier der Oster¬nacht – wenn keine Taufe erfolgt und kein Taufwasser geweiht wird – eine Wasser¬weihe, in der Wasser gesegnet wird, das an die Taufe erinnern soll.
Aber uraltes Wissen um die besondere Kraft des Osterwassers (im Bannkreis von Tod und Auferstehung) hat viele Bräuche ausgebildet, die bis heute geübt werden, auch wenn ihre Zahl zurückgeht. Am Ostermorgen bei Sonnenaufgang mußte von den Quellen das Wasser geholt werden, das das Jahr über gut blieb und heilende und bewahrende Wirkung hatte. Es mußte schweigend geholt werden – schon ein Wort machte aus ihm Plapper- (Schlatter…)Wasser, das alle Wirkkraft verloren hatte. Man wusch sich in sol¬chem Quell das Gesicht, um vor Pickeln, Malen… bewahrt zu bleiben. Tiere wur¬den in die Quellwasser (Teiche) getrie¬ben, damit sie das Jahr über gesund blieben…
Es mag viel uraltes Wissen über die Kraft und das Geheimnis des Wassers in sol¬chen Bräuchen fortleben. Auch die uralte Sehnsucht des Menschen nach Reinheit und bleibender Jugend ist in ihnen ver¬körpert. (»Und in dem Schneegebirge, da fließt ein Brünnlein kalt; und wer vom Brünnlein trinket, wird jung und nimmer alt«.)
Nicht zuletzt aber hat – auf der Grundlage der Symbolik des Wassers – die österliche Theologie solche Bräuche mitgestaltet und durchwirkt. Recht verstanden und recht gedeutet, sind sie auch vom christlichen Standpunkt nicht einfach abzulehnen. Sie sollten eher als »Spiel« vollzogen werden. Pastoral wichtig bleibt die Erschließung der Wassersymbolik und deren christliche Deutung.

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply