Das Fest des Heiligen Martin und das Brauchtum des Festes 2

Das Brauchtum des Festes
Der sicher bekannteste und wichtigste Brauch des Festes ist der »Martins(um)- zug«, mit dem heute vielfach die Darstel¬lung der »Mantelszene« verbunden ist. Herkunft und Alter des Brauchs sind um¬stritten. Moser versucht, umfassend zu be¬gründen, daß der Brauch aus der Periko- penordnung des Festes hervorging. Er ver¬weist auf ein Perikopenbuch des 10./11. Jahrhunderts aus Monte Cassino, das für den Martinstag die Textstelle Lk 12,35 f. im Evangelium vorschreibt: »Eure Lenden sollen umgürtet sein und brennende lucer- nae (= Lampen, Laternen, Kerzen, Lich¬ter) in euren Händen.« Offenbar ist diese Lestperikope verbreitet gewesen, denn auch das Flurheymsche Deutsche Me߬buch von 1529 führt sie für das Fest an. Später trat dann die Perikope Lk 11,33-36 an ihre Stelle, in der in anderer Weise vom Licht geredet wird.
Nach Moser »könnte man vermuten, daß die Kirche diese Bibelstelle (sc. Lk 12,35 f.) nur deshalb herangezogen hät¬te, weil es ihr dämm gegangen wäre, ei¬nen schon bestehenden Brauch sinnvoll liturgisch einzubinden« – aber er selbst lehnt solche Deutung ab, da der Tenor der Perikope die »Erwartung des Herrn« sei, der also die Piorität gebühre. Er nimmt aber an, daß die Perikope den Anlaß gab, mit brennenden Lampen, La¬ternen… umherzugehen.
Das kann nicht ausgeschlossen werden, wobei allerdings die Frage bleibt, warum das Evangelium, das ja u.a. bei den Festen »aller Bekenner, die nicht Bischöfe wa¬ren« das Tagesevangelium war und bis heute ist, nicht zu ähnlichen Bräuchen geführt hat. Auch der spätere Wechsel der Perikope müßte erklärt werden. Endlich greifen die uns bekannten alten Martins¬lieder solche Interpretation des Brauches nicht auf.
Da ist es einleuchtender, mit K. Meisen anzunehmen, der Brauch habe sich aus dem Kult am Grabe des Heiligen ent¬wickelt. Wenn Moser meint, Meisen ha¬be »nicht plausibel machen… können, wie es vom Lichterschmuck eines Grabes zu einem Umgang mit Laternen hätte kom¬men können«, so ist Meisen wohl etwas vordergründig interpretiert. Denn der Grabkult umfaßt ja eben die Lichterpro¬zessionen an seinem Grab u.a. Bei der Beliebtheit des Heiligen wäre es durchaus denkbar, daß sich aus solchem Kult allge¬meine Umzüge entwickelt hätten.
Nach Veit/Lenhart haben die »mancher¬orts noch üblichen« Martinsfeuer auf den frierenden Bettler vor Amiens Bezug ge¬nommen. Reste davon seien die ausge¬höhlten Kürbisse und Rüben, in welche die Jugend ihre Lichter stelle; wobei es auch die Martinsfeuer noch gebe. Vielleicht ist alles sehr nüchtern zu erklä¬ren. Das Fest des Heiligen war der Ab¬schluß des Wirtschaftsjahres. Das Gesinde wechselte. Vor allem aber war Zinstag: Die Pacht mußte entrichtet werden. In den meisten Gemeinden war Markttag. Auch galt der Martinstag allgemein als Winteranfang. Früher war er auch der Be¬ginn des »Martinifastens«, also des 40-tä- gigen Fastens vor dem Fest der Epiphanie (als dem Höhepunkt der Weihnachts¬zeit).
Aus all dem mögen sich Heischegänge entwickelt haben (primär um Brennholz, später um Nahrungsmittel). So sind die alten Martinslieder Heischelieder. Legen¬däre Züge sind erst später eingefügt wor¬den. Martin wird zum Gabenbringer und wird mit der Gestalt des Heiligen Nikolaus vermischt (Pelzmärte).
Der Brauch hat (wie andere Bräuche) viel¬leicht viele Wurzeln. In jüngerer Zeit ist er neu belebt und mit der Mantel- oder Bettlerszene verbunden worden. Er ist heute auch in Süddeutschland stärker ver¬breitet, nachdem die Aversionen gegen Martin als den »Schutzheiligen der Fran¬ken« längst überwunden sind. Jedenfalls beginnt mit dem Martinsfest der Festrei¬gen jener Heiliger, die in besonderer Wei¬se auf die Weihnacht verweisen: auf das Kommen des Kindes, in dem uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes er¬schienen sind.
Zu fragen bleibt, wie Martin zu den Gänsen kommt. Sicher sind die Gänse am Fest des Heiligen »ausgereift«; sicher ist es Zeit, ihre Federn (die ja viel wichtiger waren als das Fleisch der Gänse) zu nutzen – dennoch wird die Gans wohl auf anderen Wegen mit Martin verbunden worden sein. Die Gans war ja bevorzugte Zinsgabe an die Grundherren: den Adel, die Klöster. Als solche mag sie wegen des Hauptzinstages, eben St. Martin (wie der Osterhase mit dem Osterfest), mit dem Heiligen verbunden worden sein, wobei die Zeit der großen Schlachtfeste (und der damit verbundenen Festschmäu- se der sonst recht Armen) sicher eine Rolle gespielt hat.

See more: Circuit Vietnam 12 jours | mekong can tho phu quoc | circuit 3 jours à ninh binh | visa pour aller au vietnam | Circuit indochine 17 jours | croisière vietnam cambodge sur le mekong 12 jours

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply