Das Fest des Heiligen Hubertus und das Brauchtum des Festes 2

Das Brauchtum des Festes
Seit Jahrhunderten war und ist es Brauch, am Festtag des Heiligen, also am 3. No¬vember, eine Drück- oder Treibjagd oder aber eine (besinnlichere) Ansitzjagd durchzuführen. Vielerorts (nicht zuletzt bei den Hofjagden) wurde vor der Jagd eine Eucharistie zu Ehren des Heiligen gefeiert. Solche Gottesdienste sind wahr¬scheinlich schon im 9./10. Jahrhundert ge¬feiert worden. Als die Metallhömer zur jagdlichen Musik herangezogen wurden, wurden sie auch bald bei solchen »Huber¬tusmessen« verwandt, wobei allerdings ei¬ne spezielle Musik für sie erst im Anfang des 19. Jahrhunderts nachzuweisen ist. Der Brauch, am Festtag des Heiligen eine solche »Hubertusmesse« zu feiern, war allerdings nicht sehr verbreitet. Eine Be¬lebung des Brauchs ging von den Gottes-diensten aus, die mit einer französischen Parforcehom-Gruppe (Sonneurs de Che- vemy) in Düsseldorf 1954 und vor allem in Xanten (anläßlich der Tagung des deut¬schen Falkner-Ordens) gefeiert wurden. Heute ist es bei der Jägerschaft der meisten Orte Deutschlands üblich, das Gedächtnis des Heiligen mit einem Hubertusgottes¬dienst zu begehen. Diese Gottesdienste sind meist sehr gut besucht und finden überall ein so positives Echo, daß der Brauch wohl lebendig bleiben wird. Gerade darum aber sollten Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Brauchs über¬prüft werden.
Zunächst darf die Spannung nicht überse¬hen oder gar verharmlost werden, die zwi¬schen der Jagd, bei der Tiere getötet wer¬den, und der Eucharistiefeier besteht, in der das Gedächtnis dessen gefeiert wird, um den die Kreatur (nach Mk 1,12 f.) befriedet war. Jesus nimmt die alttesta- mentlich-j üdische S chöpfungstheologie
auf, nach der im Anfang und »letzten Endes« Gott die Unversehrtheit (den Scha- lom) aller Kreaturen wollte (Gen 1,29 ff.; Jes 11,6 ff.).
Dieser von Gott gewollte Schöpfungs¬friede zerbrach nach der Heiligen Schrift im Sündenfall des Menschen. Danach fielen »Furcht und Schrecken« vor dem Menschen über das Tier, und dem Men¬schen wurde das Fleisch der Tiere als Nahrung zugewiesen (Gen 9,2 ff. mit eindeutiger Berufung auf Gen 1,29 f.). Für die Endzeit aber, für die Vollendung des Gottesreiches, wird der Schöpfungs¬friede in herrlicherer Weise erwartet (Jes 11,6 ff.).
Die Verantwortung, die sich aus all dem für das Jagen auf das Mitgeschöpf Tier ergibt, muß in Hubertuspredigten und -an- sprachen thematisiert werden (auch wenn man das Jagen, wenn mit Verantwortung gejagt wird, als die humanste aller not¬wendigen Tötungsarten von Tieren anse- hen kann). Sicher muß deutlich werden, daß alles Jagen im Dienst der Hege der Kreatur steht, einem Dienst am Arten-reichtum und an der bunten Vielfalt der Schöpfung.
Der Jäger muß wissen, was es für ihn bedeutet, in solchen Gottesdiensten (eu- charistische) Gemeinschaft mit dem Schöpfer und Erlöser aller Kreatur zu ha¬ben. Seine jagdliche Ethik hat sich vor diesem Gott zu verantworten. Er wird auch erkennen, daß Jagd selbst zum Symbol wird: daß der Jäger von Beute zu Beute weitersucht, bis sich ihm die letzte, ent¬scheidende Beute seines Lebens gnädig schenkt. Nicht umsonst sind Eustachius und Hubertus seine Schutzpatrone.
Der gelegentlich geübte Brauch, Waffen (Büchsen oder Flinten, Saufedem…) mit zum Gottesdienst zu bringen, sollte nicht gefördert werden. Gotteshäuser hatten jahrhundertelang Asylrecht: ein Bewaff¬neter durfte sie nicht betreten. Das sollte auch (und gerade) für unsere Zeit gel¬ten.
Schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob Jagdhunde, vor allem aber Beizvögel (Flabichte, Falken…) mit zu solchen Got¬tesdiensten gebracht werden sollten. Der Brauch ist alt. Könige und Fürsten übten ihn aus.11 Wenn die Erlösung ein kosmi¬sches Geschehen ist, wenn alle Kreatur darauf wartet, »befreit zu werden zur Frei¬heit der Herrlichkeit der Kinder Gottes«; wenn sie »seufzt und in Wehen liegt«, um die »neue Schöpfung«, den »neuen Him¬mel und die neue Erde«, zu gebären (Röm 8,19 ff.), dann dürfte einer gelegentlichen Teilnahme von Tieren am Gottesdienst nichts im Wege stehen, wobei der Stör¬faktor sorgfältig bedacht werden muß. Nichts einzuwenden ist natürlich gegen einen reichen Schmuck der Kirche, so daß die Natur in den Gottesdienst einbezogen und seine besondere Würde betont wird. Problematisch ist dagegen die Sitte, einen Teil der Jagdbeute (Hirsche, Rehe, Ha¬sen. ..) vor dem Altar »aufzubahren«. Das getötete Tier ist kein Schauobjekt, und erst recht wird es Gott nicht als eine Art Opfer dargebracht. (Es wäre allerdings zu begrü¬ßen, wenn Wild bei einem »Opfergang« im Gottesdienst für caritative Zwecke ge¬spendet würde.)
Gegen ein Hirschgeweih vor dem Altar (zur Erinnerung an den Schutzpatron) oder ein Rehgehörn ist nichts einzuwenden. Bei der Drapierung eines solchen Geweihs mit einem Kreuz wird jedoch allzuleicht die Grenze zum Kitsch überschritten. Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, ob solche Hubertusmessen immer mehr zu einer Art Konzert werden (wobei überlegt werden muß, ob auf die Dauer die künst¬lerische Qualität in Komposition und Dar¬bietung gegeben ist) – oder ob sie – was Eucharistie will – zur Begegnung der Jäger (oder doch eines Teils von ihnen) mit dem Herrn der Eucharistie wird, so daß ihr Leben wie beim Heiligen eine neue Sinn¬richtung bekommt. Es kann nur gehofft werden, daß diese Gottesdienste Brücke zum Glauben sind und Hilfen, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der ge¬samten Schöpfung neu zu stellen, nicht zuletzt die nach dem Sinn und der Aufgabe der Jagd.

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