Das Osterfest und sein Brauchtum 10

Osterfeuer und Osterkerze
Das Feuer ist eines der größten Güter der Menschheit. Es erhellt die Dunkelheit, die Nacht; es erwärmt und es reinigt. Das Feuer hat das Überleben der Menschheit und vor allem menschliche Kultur erst möglich gemacht. So galt unseren Vorfah¬ren das Feuer als den Göttern eigen. Pro¬metheus, der es freventlich stahl, mußte diese Tat furchtbar büßen.
In vielen Religionen wurde das Feuer als Symbol lebenschaffender und lebenzer¬störender Mächte als göttlich verehrt. In Rom hüteten die Priesterinnen der Feu¬ergöttin Vesta als reine Jungfrauen das heilige Feuer. In Griechenland war der Herd mit seinem Feuer die Mitte des Hauses, die Götter des Feuers hatten gro¬ßes Ansehen.
Das Urfeuer war die Sonne, die bei einigen Völkern (Ägypten) ebenfalls göttliche Verehrung genoß.47
Im Alten Testament ist das Feuer Symbol Jahwes. Er erscheint dem Mose im bren¬nenden Dornbusch, der nicht verbrennt (Ex 3,2); er zieht in der Feuersäule vor seinem Volk her (Ex 13,21); im Feuer steigt Gott auf den Sinai herab (Ex 19,18). Nach Ps 18,9 kommt aus dem Mund Got¬tes »verzehrendes Feuer« und »glühende Kohlen sprühen aus ihm«. Und für den Verfasser des Hebräerbriefes ist Gott ein »verzehrendes Feuer« (12,29).
Osterfeuer als Frühlingsfeuer reichen in die heidnische Zeit hinein. Für unsere Vor¬fahren war es nicht selbstverständlich, daß es nach dem (oft sehr harten) Winter wie¬der Frühling wurde, daß die Sonne wieder wärmte und Aussaat und Ernte ermöglich¬te. So versuchte man, im Sonnen-Abbild des Feuers die Sonne magisch auf die Erde, die Äcker, die Saaten… herabzuziehen. Flammenräder rollten von den Höhen über die Äcker hin – Fruchtbarkeit hinter¬ließ ihre Spur.
Das christliche Osterfeuer hat das heidni¬sche Frühlingsfeuer ablösen sollen. Solche Feuer waren schon um die Mitte des 8. Jahrhunderts im Frankenreich Brauch. Sie wurden am Karsamstag angezündet.
In der deutschen Kirche sind solche Feuer im 11. Jahrhundert nachzuweisen. Sie wurden gelegentlich auch am Gründon¬nerstag (ein Brauch, der sich bis ins 15. Jahrhundert erhalten hat), seltener am Kar¬freitag, abgebrannt. Das Feuer mußte aus dem Stein geschlagen oder durch ein Brennglas entzündet werden.
Die Weihe des Osterfeuers hat sich als Beginn der Ostemachtsfeier in unserer Li¬turgie erhalten. Die Symbolbedeutung des Feuers ist allerdings in der Deutung der Kirche auf die Lichtsymbolik reduziert. Das Weihegebet sagt: »Allmächtiger, ewi¬ger Gott, du hast durch Christus allen, die an dich glauben, das Licht deiner Herr¬lichkeitgeschenkt. Segne dieses Feuer, das die Nacht erhellt, und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergäng¬lichen Licht, damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen…« Zahlreiche Osterbräuche sind mit dem Osterfeuer verbunden. So etwa das Oster¬räderlaufen, bekannt vor allem durch Lüg¬de in Westfalen. Den mit Stroh urnwik- kelten Rädern sind christliche Sinnsprüche eingeschnitzt. Die entzündeten Räder rol¬len von den Höhen zu Tal. Der Bauer sieht es bis heute gern, wenn solche Räder über seine Äcker laufen, da er sich davon grö¬ßere Fmchtbarkeit verspricht. Das Werfen brennender Holzscheiben hat sich, trotz vieler Verbote, vor allem im schwäbisch¬alemannischen Raum bis heute erhalten. Der verheerende Brand, der 1090 große Teile des Klosters Lorsch vernichtete, geht auf solchen Brauch zurück.
Vor allem in der Oberpfalz wird ein gro¬ßer, behauener Holzklotz, »Judas« ge¬nannt, an das Osterfeuer gelegt und – angesengt – nach Hause getragen, wo aus ihm viele kleine Kreuze geschnitzt wer¬den, die an Haus und Hof und auf die Felder und Wiesen gesteckt werden. Als die Ostemachtliturgie noch am Karsams- tagmorgen gefeiert wurde (schon der Na¬me der Liturgie zeigt den Widersinn), war es Brauch, alle Feuer und Lichter im Hau¬se zu löschen und sie mit einer Flamme des geweihten Osterfeuers neu zu entzün¬den. Die Bringer (meist die Ministranten oder die andern Buben des Dorfes, der Stadt) wurden reich beschenkt. Das ist nach der Liturgiereform (aber auch im Zeitalter der elektrischen Öfen und Be¬leuchtungen) anders geworden. Aber bis heute bringen Gläubige das geweihte Osterlicht in die Häuser, wo es über die Festtage brennt.
Magische Unterschichten der Bräuche ha¬ben sich bis heute erhalten.
Die österliche Feuersymbolik ist in der Kirche weithin auf die Osterkerze über¬gegangen, die heute im Mittelpunkt der Ostemachtfeier steht. Sie wird wohl zum ersten Mal in einem Brief des Hei¬ligen Hieronymus erwähnt, nach dem sie in Piacenza um 384 üblich war. Augustinus hat eine »laus cerei« verfaßt, die wir im 15. Buch seiner »Civitas Dei« (c.22) finden. Um 500 schreibt der Dia¬kon und spätere Bischof Ennodius von Pavia zwei wunderbare »benedictiones cerei«, in denen es heißt, daß eine Nacht die alte Nacht der geistigen Gefangen¬schaft verscheucht habe und zur »Mutter der Freiheit« geworden sei. Das Wachs der Kerze stamme von den »jungfräuli¬chen Bienen«, ihren Docht aus Papyrus habe das Wasser geboren, ihr Licht werde vom Himmel gesandt. In Rom war die Zeremonie der Osterkerze spätestens seit Papst Zosimus (417-418) im Gebrauch. Sie wurde später offenbar von der Weihe des »Agnus Dei« (s.u.) verdrängt, ist aber vom 10. Jahrhundert an beständiger Brauch. Ursprünglich erhielt die Oster¬kerze ihr Licht von dem Feuer, das am Karfreitag (oder schon am Gründonners¬tag) entzündet worden war, später vom neugeweihten Feuer zu Beginn der Oster-nachtfeier.

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