Das Osterfest und sein Brauchtum 14

Das Osterei
Das Ei ist ein uraltes Fruchtbarkeitssym¬bol. Wie aus der Eizelle der Mutter alles Leben hervorgeht, kennt der Mythos die Entstehung des Alls aus dem Urei. Nach dem pelasgischen Schöpfungsmythos der Griechen paarte sich die Urgöttin Euryno- me mit der von ihr selbst geschaffenen Urschlange Ophion und legte daraufhin in Gestalt der Taube das Weltei, aus dem Himmel und Erde mit allen Kreaturen hervorgingen. Nach dem oiphischen Schöpfungsmythos wurde die Nacht vom Wind begattet; sie legte ein silbernes Ei, aus dem der doppelgeschlechtige Eros her¬vorging, der »Beweger des Alls«. Eine ähnliche Rolle spielt das Ei in den Mythen der Inder u.a.
Mögen die »Brüste« der Magna Mater, der Kybele… nach jüngsten Forschungen auch Stierhoden sein – die langen Reihen von Eimotiven in den römischen Tempeln dürften die Bedeutung des Eies in den Religionen und Mythen der Völker wider¬spiegeln…
Die frühe Kirche kannte das Laktizinien- Verbot, also das Verbot der Milchspeisen und des Eies. Die Gründe dafür sind un¬bekannt.
Eine Eierweihe (benedictio ovorum) zum Osterfest ist erst im 12. Jahrhundert nach¬zuweisen. Seitdem finden wir sie in den meisten Ritualien. Sicher hat das Ei auch in den germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsriten – wie überall auf der Welt – eine Rolle gespielt; die Eier¬weihe aber geht nicht auf sie zurück. Sie hat wohl den gleichen Ursprung wie die Weihe der andern Speisen zum Osterfest: Das so lange Verbotene sollte als ge¬weihte Speise genossen werden. Zur Weihe getragen wurden früher vor allem die Antiaßeier, also die am Gründonners¬tag gelegten. »Die geweihten Eier wurden als Schutz gegen Schäden durch Heben von Lasten getragen, in den Äckern und Saaten vergraben, um deren Gedeihen zu fördern und sie vor Unwetter zu bewah¬ren, in die zuerst gebundene Erntegarbe gelegt, um Fruchtbarkeit für das nächste Jahr zu erlangen. Die Schalen der ge¬weihten Eier streute man mit der Asche des am Osterfeuer angezündeten Holzes auf die Äcker, um diese ertragreich zu machen.«
Die Symbolik des Eies ist von den Theo¬logen der Jahrhunderte sehr verschieden gedeutet worden. Für die einen war die Schale Sinnbild des AT, der Kern Symbol des NT: das Judentum war überwunden, am Osterfest werde der Kem des Eies, das Christentum, zur »Nahrung der Gläubi¬gen«. Für andere war das Ei Typus der Eucharistie, zu deren Genuß die Christen zur Osterzeit ja verpflichtet waren und Symbol der Auferstehung. Sicher nimmt das Christentum die alte Symbolik des Eies auf: ein Bild des Lebens aus dem scheinbar Toten. So wird das Ei zu einem der wichtigsten Symbole der Auferste¬hung.
Die Bezeichnung Osterei ist nach Grimm schon für 1407 und 1456 belegt. Gemeint ist aber eindeutig das Zinsei, das zum Osterfest den Grundherren (oder Mön¬chen) gegeben wurde. Luther verwendet das Wort in unserm Sinne: »…denn ich höret rühmen…, sie wollten wol dreimal Ostereier essen über dieser oder dieser Sachen.«
Gefärbte (Oster-)Eier werden zum ersten Mal von Freidank in seiner »Bescheiden¬heit« (frühes 13. Jahrhundert) erwähnt. 1389 erwähnt die schon genannte Straubin- ger Hofhaltungsrechnung das »rot gefärb¬te« Ei in der Reihe der österlichen Speisen. Neben Luther berichtet auch Th. Naogeor- gus (Th. Kirchmeyer) in seinem »Regnum papisticum« (1553) von roten Eiern bei der österlichen Speisenweihe.
Die Nennung eines »buntgefärbten Oster¬eis« durch den Straßburger Meistersinger W. Spangenberg in seinen »Anbindbrie¬fen« von 1611 kann also – gegen Lefftz – wohl kaum als »erste Nennung« gelten. Aus dem Elsaß kommt der Hinweis von Fritsch 1625: »Zu Ostern werden die Eyer grün, gelb, rot, schwarz und blau und anderer Art gefärbt.« Aber schon 1617 spricht E. Putaneus in »Ovi Euconium« von: »beschrifteten, bemalten und geätz¬ten Ostereiern«.
Ostereier zu färben und in Ostemester zu legen oder – schön bemalt – an grüne Birken- oder Forsythienzweige zu hängen, gehört bis heute zum allgemeinen Oster¬brauch. Die christliche Sinngebung aber ist weithin zurückgedrängt (obwohl der zähe Fortbestand des Brauches jederzeit einen Brückenschlag ermöglicht). Auch wird es immer schwerer, Symbole zu er¬fahren. So kann auch die Erfahrung der Symbolik des Eies nicht vorausgesetzt werden – sie muß vorbereitet werden. Das könnte so geschehen, daß Froschlaich (nach Rücksprache mit Verantwortlichen, da er unter Naturschutz steht) in einem Zimmeraquarium ausgebrütet wird. Die Zimmertemperatur (Klassentemperatur) läßt die Froscheier in wenigen Wochen zu Kaulquappen und kleinen Fröschen wer¬den, die dann an geeigneten Stellen aus¬gesetzt werden.
Brutapparate für das Ausbrüten von Hüh¬ner- oder Enteneiern sind preiswert zu ha¬ben und leicht zu bedienen. Es ist ein un¬auslöschliches Erlebnis für Kinder, wenn aus den Eiern Küken oder kleine Enten schlüpfen. So könnte die Symbolik des Eies neu belebt und im anthropologischen und christlichen Sinne gedeutet werden.

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