Das Osterfest und sein Brauchtum 12

Das Osterlamm

Das Lamm (ob als junges Schaf oder als junge Ziege) ist Symbol des Ohnmächti¬gen, da es gegen die wilden Tiere ohne Waffen ist, und Bild des Wehrlosen, da es sich willig dem Scherer und dem Schlächter hingibt.
Das Lamm war daher im AT ein bevorzug¬tes Opfertier (das hauptsächlich in priester¬schriftlichen oder kultisch orientierten Schriften genannt wird). Lämmer werden als Brand- und Schlachtopfer dargebracht (Lev 9,3; Num 15,5), um das Volk oder einzelne aus dem Volk zu entsühnen oder zu reinigen (Lev 14,10). Wichtig war seine Rolle beim Auszug aus Ägypten. Dort hatte jede Lamilie ein fehlerloses Lamm zu schlachten und mit seinem Blut die Türpfo¬sten zu bestreichen, damit der Würgengel des Herrn vorübergehe. (Seitdem verzehrt jede jüdische Familie am Pessachfest ein Lamm und bestreicht die Türpfosten mit seinem Blut.) Ebenso wichtig ist die Erwäh¬nung des Lammes in den Gottesknechtslie- dem des Deuterojesaja: »Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.« (Jes 53,7)
Im NT wird das Lamm zum Symbol Jesu Christi, der viermal als »Lamm« bezeich¬net wird: Joh 1,29 weist der Täufer auf Jesus hin und sagt: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg¬nimmt.« Offenbar ist das Wort auf dem Hintergrund von Jes 53,7 zu deuten: Jesus ist das Lamm, das (als der Gottesknecht) die Sünde aller Welt trägt. Apg 8,32 wird das »Lamm « im (4.) Lied vom Gottes¬knecht von Philippus auf Christus ge¬deutet. Nach dem 1. Petmsbrief 1,19 sind wir »mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel« losge¬kauft, wobei auf dem Hintergrund der Auszugsperikopen die »Sündlosigkeit und Vollkommenheit des Opfers Jesu« betont wird. In der Apokalypse wird das unbefleckte, geopferte und (dennoch) siegreiche Lamm über dreißigmal er¬wähnt.
Christus als das Passah-Lamm ist ein Hauptgegenstand der Lehre der Kirchen¬väter. Von der Sarkophagkunst der frühen Christenheit an (also seit dem 4./5. Jahrhundert) ist das Lamm Gottes ein be-vorzugter Typos christlicher Ikonogra¬phie, wobei zur Interpretation die Schrift¬stellen Joh 1,29 und die der Apokalypse wesensbestimmend sind. Im Osterbrauchtum aber hat das »Lamm Gottes« keinen bevorzugten Platz einge¬nommen. Die »Agnus Dei« genannten Wachsvotivgaben, von denen schon die Rede war, sind wohl ein peripherer Brauch geblieben. Im christlichen Altertum hat man Lammfleisch zu Ostern neben oder unter den Altar gelegt, mit besonderer Benediktion geweiht und am Auferstehungstag vor jeder andern Speise gegessen. Wir wissen, daß sich Abt Wa- la(h)fried Strabo vom Kloster Reichenau (808/9 bis 849) scharf gegen solche Sitte wandte, weil er (wohl nicht ganz ohne Grund) fürchtete, das Volk werde die Konsekration von Brot und Wein und die Weihe des Lammes oder Lammflei-sches nicht genügend unterscheiden. Er empfiehlt die Weihe solcher Lämmer oder solchen Fleisches »an jedem belie¬bigen Orte« (nur eben nicht im Gottes¬haus).
Das Lamm war Hauptbestandteil der zur Speisenweihe getragenen Nahrungsmit¬tel. In Rom wurde das Essen eines Oster¬lammes von feierlichen Zeremonien be¬gleitet.
Das Osterlamm, meist mit Siegesfahne und Wundmalen, ist in vielen Darstellun¬gen in unsem Gotteshäusern zu finden oder wird zur Osterfestzeit im Kirchen¬raum aufgestellt. Es ist vielen Prozessions¬fahnen eingestickt. Ein genuines Brauch¬tum ist jedoch heute selten. Bekannt ist es allein als Gebildbrot. Ein gebackenes Osterlamm bildet die Krönung des Spei¬senkorbs, der zur Speisenweihe in das Gotteshaus getragen wird. Zu den Mahl¬zeiten ziert das Osterlamm auch den häus¬lichen Tisch. Die Ostereier werden in stär¬kerem Maße mit christlichen (Auferste- hungs-)Symbolen geziert, unter denen das Osterlamm einen wichtigen Platz ein¬nimmt. Jedenfalls sollten die Predigten das Lammsymbol in besonderer Weise einbe¬ziehen.

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