Das Osterfest und sein Brauchtum 11

Die »allegorische Gestaltungsfreude gal¬lischer und fränkischer Theologen stattete die Osterkerze mit weiteren symbolträch¬tigen Elementen aus, die auch in der er¬neuerten Ostemachtliturgie in die Licht¬feier eingebaut werden können«. Gemeint ist das Einritzen der Jahreszahl, das Einstecken der Weihrauchkömer etc.
Aus den »laudes cerei« des Ennodius ergibt sich, daß man schon um 500 die Osterkerze zerstückelte und die Stückchen an die Gläu¬bigen verteilte, die dadurch vor Unheil viel¬facher Art bewahrt bleiben sollten; auch das von der Osterkerze herabträufelnde Wachs war begehrt. Da solches Wachs bei weitem nicht ausreichte, weihte man neben der Osterkerze größere Mengen kostbaren Wachses und formte daraus kleine Stück¬chen, denen man ein Siegel in der Form eines Agnus dei aufdrückte. Sie traten bald an die Stelle des Osterkerzenwachses. Der Brauch ist zuerst bei Amalar (um 800) be¬legt. Bald hat man wohl Wachs mit Öl ver¬mischt und daraus Lämmer geknetet. Im 14./15. Jahrhundert wurde deren Weihe so¬gar von den Päpsten vollzogen. Die Gläu-bigen bewahrten diese Lämmer in ihren Häusern auf, benutzten sie bei Weihgängen und in jeder Gefahr. Nach der Legende soll Papst Leo III. Kaiser Karl dem Großen ein solches Agnus dei zugesandt haben, das vom Kaiser als kostbarer Schatz gehütet wurde. Der Agnus dei-Brauch hat sich ge¬legentlich bis heute erhalten.
Die Osterkerze wird heute in die nacht¬dunkle Kirche getragen. Der Liturge (Dia¬kon) singt dabei das »lumen Christi« – »Licht, das Christus ist«. Das Licht der Osterkerze wird an die Gläubigen weiter¬gegeben. Das war schon früh in Jerusalem Brauch, wurde im Mittelalter gepflegt, ge¬riet dann aber in Vergessenheit, bis es die Neuordnung der Osternachtliturgie wieder vorschrieb.
Der Einzug mit der Osterkerze in die nachtdunkle Kirche hat eine dreifache Symbolik:
• Er erinnert an die Feuersäule, in der Jahwe seinem Volk in der Wüste vor¬anzog und es in die Freiheit führte;
• er erinnert an das Wort Christi: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nach¬folgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern wird das Licht des Lebens ha¬ben«;
• er erinnert daran, daß sich der Herr – wie der Wachsleib der Kerze – im Dienst des Vaters ganz verzehrt hat, damit die Welt erhellt werde mit dem Licht der Wahrheit Gottes und daß wir uns in seiner Nachfolge verzehren müs¬sen im Dienste des Nächsten.
Im Anschluß an die Prozession mit der Osterkerze singt der Liturge (meistens der Diakon) das Exsultet, das feierliche Lob der Osterkerze (praeconium paschale). »Dieser hymnische Lobpreis eines noch unbekannten Verfassers ist gespeist vom Gedankengut eines Ambrosius und Augu¬stinus, greift aber zum Teil auf noch ältere Texte zurück. Hierzu gehören vor allem der älteste bekannte Lobpreis auf die christliche Ostemacht (H.J. Auf der Maur) aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, der uns in den Osterhomilien des Asterios Sophistes begegnet und selbst wieder ab¬hängig ist von der jüdischen Pesach-Theo- logie und -Liturgie. Auch das altchristli¬che, an jedem Abend stattfindende Ritual der Anzündung und Begrüßung des Lich¬tes (Luzernar), das sein Vorbild in jüdi¬scher und antiker Kultur hat, dürfte diesen Lobpreis beeinflußt haben. Seine heutige Fassung ist wahrscheinlich anfangs des 7. Jahrhunderts entstanden…« Vor dieser Zeit war der Wortlaut des Exsultet (etwa in Spanien und Italien) dem Vortragenden Diakon freigestellt. Vom 7. Jahrhundert an setzten sich feste Formeln, später der verbindliche Wortlaut durch.
Während der Liturge das Exsultet in latei¬nischer Sprache vortrug, wurde vom Ambo eine »Exsultet-Rolle« abgerollt, deren Illu¬strationen kopfständig angebracht waren: So konnte das Volk sie so betrachten, daß sich ihm der Sinn des Gesanges erschloß.
Die Osterkerze wird nach der Osterfeier an einem bevorzugten Platz im Gotteshaus aufgestellt. Sie brennt während der Oster¬festzeit. Die frühere Regelung, ihre Flam¬me nach dem Evangelium des Himmel¬fahrtstages zu löschen, wurde nach der Neuregelung der Liturgie aufgegeben. Die Kerze brennt nun bis zum Abschluß der Osterzeit. Danach wird sie meist in der Taufkapelle (beim Taufbrunnen) aufge- stellt. Sie brennt bei Taufen; aber auch bei Beerdigungen leuchtet sie als Hinweis auf das ewige Licht, in das der Verstorbene eingeht.
Die Ostemachtfeier ist – wie der Name sagt – eine Nacht-Feier. Sie kann erst nach Einbruch der Dunkelheit beginnen, da sonst die »großen Bilder« des Feuers und der Osterkerze, die in die nachtdunkle Kirche getragen wird, ihre Symbolkraft einbüßen. Ein früherer Beginn solcher Fei¬er ist aus pastoralen Gründen nicht zu verantworten.
Das »Bild« sollte auch insofern gewahrt werden, als ein wirkliches Feuer vor dem Gotteshaus entzündet wird. Die gezähm¬ten kleinen Brände, die oft üblich sind (und von denen keine Funken ausgehen, die Rauchmäntel etc. beschädigen könnten) lassen die Symbolkraft des Feuers kaum erahnen.
Die Gemeinde sollte sich rings um das Feuer versammeln, um dann mit dem Li- turgen in das Gotteshaus einzuziehen. Sinnvoll ist es, wenn in der österlichen Bußzeit die Familien eigene kleine Oster¬kerzen ziehen oder doch gekaufte Kerzen mit österlichen Zeichen (Lamm, crux gem- mata, Christuszeichen…) schmücken. Sie brennen während der Osternachtfeier und werden mit in die Häuser genommen, wo sie als Zeichen des immerwährenden Pa¬scha bei vielen Gelegenheiten entzündet werden.
Das Exsultet sollte vor der festlich ge¬schmückten Osterkerze besonders feier¬lich beim alleinigen Licht der Kerzen ge¬sungen werden. Vor allem für die Kinder ist es gut, in der österlichen Bußzeit (Kar¬woche) eine Exsuitetrolle zu malen und sie während des Gesanges abzurollen Sie ist auch für Erwachsene eine gute Meditationshilfe.
Es ist ein schöner Brauch, das von der Osterkerze genommene Licht auf die Grä¬ber der Toten zu tragen und sie dort eine Weile brennen zu lassen.

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