Allerheiligen/Allerseelen und das Totenbrauchtum 4

c.Vor dem Begräbnis (oder im Anschluß daran) wird das Requiem für die Tote (den Toten) gefeiert. Bei diesem Requiem wer¬den zum Gedenken an die Toten »Sterbe¬bildchen«… ausgeteilt, die außer einem Andachtsbild die Geburts- und Todesda¬ten und ein Gebet für die Verstorbenen enthalten. Manchmal zeigen diese Sterbe¬bilder auch das Foto des oder der Toten. Priester oder (andere) verdiente Persön¬lichkeiten werden während des Requiems oft im Altarraum aufgebahrt. In kleinen (ländlichen) Gemeinden zieht man nach dem Gottesdienst (gelegentlich vor ihm) in Prozession zum Friedhof. Dabei wird der Rosenkranz gebetet. War der Verstor¬bene Mitglied eines Vereins, geht oft eine Musikkapelle dem Leichenzug voran. Sie spielt Trauermusik auf dem Weg zum Friedhof, flottere Marschmusik beim Gang zum »Leichenschmaus«.
Die (guten) Gebete und Zeremonien am offenen Grabe sind in der kirchlichen Agende enthalten. Sie können um andere Gebete und Lieder erweitert werden. Wichtig ist, daß gerade beim Begräbnis die Anteilnahme auch des Geistlichen deutlich wird. Hier werden oft pastorale Möglichkeiten vertan.
War der Verstorbene Mitglied bestimmter Vereine, wird am Grab oft Uhlands Lied: »Ich hatt’ einen Kameraden …« von einem Trompeter gespielt. Die allgemeine Rührung dabei macht das Lied nicht bes¬ser. Es wäre an der Zeit (behutsam) zu überlegen, ob nicht ein alter Choral oder das sehr alte Lied: »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen…« (GL 654) an seine Stelle gesetzt werden könnten.
d. Dem Begräbnis folgt gewöhnlich der »Lei¬chenschmaus« (»Leichenmahl«, »Leichbier« oder auch »Totenhochzeit« [Kriss] u.a.), ein Kaffeetrinken oder ein Essen mit den Anver¬wandten und geladenen Trauergästen. Nicht selten wird im Testament ein Betrag für solche Leichenfeiern angesetzt. Wenn in einigen Gegenden dieses Mahl der »Tröster« genannt wird, so ist sicher ein Sinn solcher Geselligkeit deutlich.
e. Das »Sechswochenamt« und das »Jahrge¬dächtnis« für die Toten sind in katholischen Gemeinden bis heute üblich. In den letzten Jahren hat sich ein neuer Brauch ausgebildet: Am Ende eines jeden Monats wird ein Gottesdienst gefeiert für die Toten, die in den letzten Jahren in dem betreffenden Mo¬nat gestorben sind. Der Brauch wird gern angenommen und gepflegt.
f. In einigen Gegenden Süddeutschlands und Österreichs wurden (werden) bei der Wie¬derbelegung der Gräber die gefundenen To¬tenschädel aus dem Grab genommen und im Vorraum der Kirche oder der Friedhofska¬pelle aufgestellt. Gelegentlich sind sie mit Rankenwerk und dem Namen der Toten ver¬sehen. Auch sind manchmal (mit Brokat verzierte) Augen dem Schädel eingefügt. Auch hier ist das »memento mori« überdeut¬lich (wie auch in den Kamem, z.B. in Cham- münster, wo die Langknochen der Toten in großer Zahl aufbewahrt werden.)
g. In Süddeutschland (vor allem im Baye¬rischen Wald, in Niederbayem und der Oberpfalz) und im alemannischen Raum wurde vor Aufkommen der Särge der Tote auf ein »Totenbrett« (Bahrbrett) ge¬legt und auf ihm zu Grabe getragen. Das Brett wurde, wenn es nicht im Grab verblieb, an einem häufig besuchten Platz (bei Feldkreuzen, Kapellen, Weg¬kreuzungen, markanten Bäumen, Sümp¬fen; aber auch an den Wänden der Heustadl, der Scheunen…) aufgestellt oder aufgehängt. Es trug dann ein Kreuz (oder drei Kreuze) und die Daten des Verstorbenen. Der Vorübergehende wur¬de um ein Gebet für den Toten gebeten, wobei auch hier das »memento mori« eine Rolle spielte.
Wenn im »Heilbrünnl« (oder »Hoch¬brünnl«), einer Wallfahrtskirche in der Nähe der Stadt Roding (Oberpfalz), im Heiligen Grab die Figur des Herrn auf einem Totenbrett ruht, so soll wohl die Solidarität Jesu mit all den Toten der Wallfahrer ausgesagt werden. Der from¬me Glaube versetzt auch Tod und Aufer-stehung des Herrn in die (hier oberpfäl¬zische) Heimat.
Später bekamen die Totenbretter Ge¬dächtnischarakter. Sie wurden (wie die Marterln, die Erinnerungstafeln für Ver¬unglückte…) mit Sprüchen versehen, die das Gedächtnis der Toten aufrechterhal¬ten und an den eigenen Tod erinnern sollten:
Wanderer, steh still und schau:
Was du bist, das war ich auch,
was ich bin, das wirst du werden,
eine Asche in der Erden.
Solche Sprüche hatten durchgehend ern¬sten Charakter. Die derb-heiteren Sprüche, die immer wieder in Sammlungen erschei¬nen, dürften sich bei näherer Untersu¬chung als Einfälle des Herausgebers oder als Schöpfungen von Witzbolden erwei¬sen. Der Emst des Todes ist in fast allen Fällen geachtet worden.
Heute finden wir die Totenbretter wieder häufiger, wobei nicht zuletzt der Fremden¬verkehr eine Rolle spielt.
h. Es ist eine alte Gepflogenheit, auf den Gräbern der Verstorbenen Grabmale zu errichten. Das waren (und sind in einzel¬nen Gegenden, etwa in der Ramsau) Holz¬kreuze mit gut geschnitzten Darstellungen (des Schmerzensmannes, der Mater dolo¬rosa, des Auferstandenen; aber auch von Symbolen, so bei Forstleuten oft des Hu¬bertushirsches…). Besonders kunstvoll waren die schmiedeeisernen Kreuze gear¬beitet.
Von all dem ist wenig geblieben. In all der genormten Grabmalsroutine findet man kaum noch ein Grabmal, das künst¬lerischen Ansprüchen genügt. Hier sind die Geistlichen mit den Pfarrgemeinderä- ten und den Künstlern ihres Raumes ge¬fordert, die Friedhöfe wieder individueller zu gestalten. Denn jedes Grabmal bietet die Chance der Verkündigung; es kann Brücke zum Ewigen sein.

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