Allerheiligen/Allerseelen und das Totenbrauchtum 3

Der Allerseelentag war früher von vielfa¬chem anderen Brauchtum umgeben, wobei die Schwelle zum Aberglauben (oder zur Kuriosität) oft überschritten wurde. Der Volksglaube hat ja immer daran festge¬halten, daß bestimmte Tote »umgehen«, daß sie als Seelengeister, Irrlichter, aber auch als bestimmte geheimnisvolle Tiere (Frösche, Kröten, Unken…) erscheinen, um ihre Seelenruhe bitten und andere an ihre Schuld erinnern. Peter Rosegger er¬zählt aus seiner Heimat: »Da wird in der Steiermark an diesem Tage keine Tür und kein Tor etwa gewaltsam zugeschlagen, aus Furcht, eine arme Seele zu zerquet¬schen. Da wird kein Messer auf dem Rücken, kein Rechen mit den Zinken nach oben liegen gelassen, aus Vorsicht, daß nicht irgendeine arme Seele darüber stol¬pere, sich ritze oder schneide. Auch darf an diesem Tag keine leere Pfanne über dem Feuer stehen, damit sich nicht unver¬sehens eine arme Seele hineinsetze und elend verbrenne. Ferner ist es unstatthaft, einem Frosch oder einer Kröte etwas zu¬leid zu tun, da man nicht wisse, ob nicht eine arme Seele in Gestalt dieser Tiere an ihrem Tag sichtbar werde.« Wir könnten hier beliebig fortfahren; und man weiß nicht, worüber man sich mehr verwundern soll: über die Angst vor den Toten, aber auch die Sorge und Rücksicht ihnen gegenüber – oder über die Defizite einer kirchlichen Verkündigung über das Leben nach dem Tode.
Geblieben sind bis heute vor allem die Eucharistie für die Toten, die in feierli¬cher Weise in jeder Gemeinde begangen wird, und der Gräbergang zu den ge¬schmückten und mit Lichtem versehenen Gräbern der Angehörigen und Freunde. Während des Gottesdienstes werden die Namen der im letzten Jahr verstorbenen Gemeindemitglieder verlesen. Gelegent¬lich wird (in kleineren Gemeinden) dann für jeden Toten eine Kerze am Altar entzündet.
»Allerheiligenstrietzel« und andere Ge- bildbrote werden bis heute, zumeist von den Paten, ausgeteilt. Dabei sollte die alte Sitte wieder aufleben, für die Toten, nach Empfang der Gabe, zu beten. Wichtig ist es, die Toten nicht nur als Ob¬jekte unserer Gebete und unserer Fürbitte zu sehen, sondern sie als »Vorerlöste« um Fürsprache für die Gemeinde zu bitten. So viele heilige Mütter und Väter würden dann der Gemeinde Wege zu Gott weisen und alle Gemeindeglieder enger mit Gott ver¬binden.
Exkurs: Totenbrauch
Der Mensch heute stirbt nur noch selten zu Hause. Aber er sollte immer (auch wenn er im Seniorenheim oder im Kran¬kenhaus stirbt) von Menschen umgeben sein, die ihn lieben. Den alten Brauch, dem Sterbenden die »Johannesminne«, al¬so geweihten Wein, zu reichen, kann man, wo es möglich ist, pflegen. Der geweihte Wein soll dem Sterbenden den Übergang in die Welt Gottes erleichtern. Ähnliche Bräuche haben in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition.
Der Brauch, im Augenblick des Todes die Uhr anzuhalten, stellt ein »memento mori« dar: der Tote hat »keine Zeit mehr«; er ist in Gottes Ewigkeit eingegangen. Auch für jeden von uns wird bald »keine Zeit mehr sein«.
Die Überführung des Gestorbenen in das Leichenhaus (die Leichenkapelle) und die Aufbahrung dort (wobei der Sarg mei¬stens geschlossen bleibt) hat zur Verar¬mung der Totenbräuche geführt. Die Tabuisierung des Todes, hervorgegangen aus immer größer werdender Todesangst, tut ein übriges. So ist es gut, sich im Zusammenhang mit dem Allerseelentag und dem »Totenmonat« November der Totenbräuche zu erinnern, die sich zum Teil bis heute erhalten haben.
a. Stirbt jemand in christlich geprägter Umgebung, gibt man ihm gewöhnlich das Sterbekreuz (katholischen Christen auch den Rosenkranz) in die gefalteten Hände. Die Angehörigen beten am To¬tenbett. Vor allem in ländlichen Gegen¬den wird die »Totenglocke« geläutet, meistens unmittelbar nach Bekanntwer¬den des Todes – ein eindringliches »me¬mento mori« für die Gemeinde. Am Abend der Tage, in denen der Tote »über der Erde steht«, wird der Totenrosen¬kranz gebetet, an dessen Schluß sich die Angehörigen manchmal öffentlich bei de¬nen bedanken, die mitgebetet haben. In den Häusern des oder der Toten brennt das Totenlicht.
Früher blieb der Sarg mit dem Gestorbe¬nen bis zum Begräbnis im Hause. Die Nachbarn (und andere Gemeindemitglie¬der) kamen zum Gebet zusammen und wurden in den Gebetspausen beköstigt. Bis vor einer Generation hat man in be¬stimmten Gegenden Österreichs noch um den Sarg gestorbener Kinder (die man ja wegen ihrer Unfähigkeit zu schwerer Sün¬de bei Gott wußte) getanzt und gebetet.
b. Viele andere Bräuche sind verlorenge¬gangen. So wurde früher in der Rhön beim Tod des Bauern das Vieh »aufge- scheucht«, wurden die Bienenstöcke um¬gerückt; wurde das Saatkorn in andere Säcke gefüllt. In anderen Gebieten wur¬de dem Vieh und den Obstbäumen der Tod ihres Herrn angesagt. In Westfalen geschah das mit den Worten: »Imme, Im¬me, din Herr ist dod, / nu bliew du bi mi in mine Not.«
Wir haben schon davon berichtet, daß bei einem Sterbefall im Haus des Almbauem das Vieh beim Abtrieb nicht »gekranzelt« wird (oder allenfalls einen »Trauerkranz« trägt).

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